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Partnerschaft

Aktives Zuhören in der Patchworkfamilie

Von Sally Matthes · 8. März 2024 · Aktualisiert: 7. März 2026
Bonusmama und Bonuskind sitzen sich aufmerksam gegenüber beim Gespräch

Aktives Zuhören bedeutet, deinem Gegenüber mit voller Aufmerksamkeit zuzuhören, ohne sofort zu bewerten oder zu antworten. In Patchworkfamilien ist das besonders wichtig — weil Missverständnisse hier schneller eskalieren und mehr Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven beteiligt sind. Als systemischer Coach und selbst Bonusmama erlebe ich in meiner Arbeit, wie eine einzige veränderte Gesprächstechnik ganze Familiendynamiken umdrehen kann.

Kennst du das Gefühl, einfach nicht verstanden zu werden? Studien zeigen, dass Kommunikationsprobleme in Patchworkfamilien doppelt so häufig auftreten wie in Erstfamilien — weil mehr Perspektiven, mehr Verletzungen und mehr unausgesprochene Erwartungen im Raum stehen (Bray & Kelly, 1998). Laut dem Statistischen Bundesamt (2024) leben rund 1,1 Millionen Patchworkfamilien in Deutschland — und in jeder einzelnen wird täglich um Verständigung gerungen.

In unseren zwischenmenschlichen Beziehungen kommt es häufig zu Missverständnissen – nicht nur als Bonusmama. Das liegt daran, dass wir häufig nicht richtig zuhören, sondern damit beschäftigt sind, über unsere Antwort nachzudenken.

„Die meisten Konflikte in Patchworkfamilien entstehen nicht, weil jemand etwas Falsches sagt — sondern weil niemand richtig zuhört.” — Sally Matthes, Coach für Bonusmamas

Wie können wir also in unserer Patchworkfamilie aktiv zuhören und somit Konflikte vermeiden? Und wie setzt sich das in der Praxis um?

Wie sieht aktives Zuhören in der Patchworkfamilie aus?

Bonusmama Mia lebt gemeinsam mit ihrem Partner Tom, ihren beiden Kindern Emily und Ben in der Nähe von Leipzig. Zur Familie gehört außerdem noch Toms Ex-Frau Lisa und deren Sohn Max. Die Familie hatte schon seit einiger Zeit mit Spannungen und Konflikten zu kämpfen. Häufig fielen Sätze wie „Das machst du immer so!” oder „Du willst mich einfach nicht verstehen!”. Häufig wurde der andere unterbrochen und die einst lebhaften Gespräche beim Abendessen gab es nicht mehr. Jeder fühlte sich missverstanden und es schien, als ob das harmonische Familienleben, von dem sie alle träumten, in weite Ferne gerückt war.

Warum ist Zuhören so wichtig?

Oftmals scheitern Beziehungen daran, dass wir nicht wirklich zuhören, sondern nur darauf warten, selbst gehört zu werden. Doch das wahre Geschenk liegt darin, dem anderen unsere volle Aufmerksamkeit zu schenken und mit offenem Herzen zuzuhören.

Die meisten Menschen hören nicht zu, um zu verstehen, sondern um zu antworten. – Stephen R. Covey

Patchworkfamilie sitzt gemeinsam am Esstisch und führt ein offenes Gespräch

Was sagt Carl Rogers über aktives Zuhören?

Das aktive Zuhören zeichnet sich durch mehrere Grundprinzipien aus. Das erste Prinzip ist die Authentizität. Es bedeutet, dass wir uns bewusst auf den anderen konzentrieren und ihm unsere volle Aufmerksamkeit schenken. Gleichzeitig verstellen wir uns nicht, unser Interesse ist ehrlich.

Das zweite Prinzip ist die Akzeptanz. Es bedeutet, dass wir den anderen so akzeptieren, wie er ist, ohne ihn zu bewerten oder zu kritisieren.

Das dritte Prinzip ist die Empathie und Offenheit. Es bedeutet, dass wir uns in die Lage des anderen versetzen und versuchen, seine Perspektive zu verstehen.

Das aktive Zuhören ermöglicht es uns, eine Atmosphäre des Vertrauens und der Offenheit zu schaffen. Indem wir unseren Gesprächspartnern das Gefühl geben, gehört und verstanden zu werden, können wir eine tiefere Verbindung aufbauen. Es hilft uns, Missverständnisse zu vermeiden, Konflikte zu lösen und eine harmonische Beziehung aufzubauen.

Und wie wird es in der Praxis angewandt?

Welche 3 Phasen hat aktives Zuhören?

Doch wie nutzte Mia das aktive Zuhören in ihrer Familie?

In der ersten Phase, der Aufmerksamkeit, sorgte die Familie dafür, dass jeder seine volle Aufmerksamkeit demjenigen schenkte, der gerade sprach. Alle bekamen 10 Minuten Redezeit. Sie schalteten ihre Handys aus, schlossen andere Ablenkungen aus und konzentrierten sich aufeinander. Mia und Tom sahen Lisa und Max in die Augen und zeigten durch ihre Körpersprache, dass sie präsent und interessiert waren.

In der zweiten Phase, der Empathie, versetzten sich Mia, Tom, Lisa und Max in die Lage des anderen. Sie versuchten, die Perspektive des anderen zu verstehen und sich in seine Gefühle hineinzuversetzen. Mia erkannte, dass Lisa sich manchmal missverstanden fühlte, wenn sie ihre Meinung äußerte. Tom erkannte, dass Max sich manchmal ausgeschlossen fühlte, wenn er mit Mia und den Geschwistern zusammen war. Sie drückten ihr Verständnis aus und zeigten Mitgefühl für die Gefühle des anderen.

In der dritten Phase, der Zusammenfassung, wiederholten Mia, Tom, Lisa und Max das Gesagte des anderen in eigenen Worten. Mia fasste zum Beispiel Lisas Bedenken zusammen, indem sie sagte: „Du fühlst dich manchmal frustriert, weil du den Eindruck hast, dass deine Meinung nicht gehört wird.” Tom fasste Max’ Gefühle zusammen, indem er sagte: „Du fühlst dich manchmal ausgeschlossen, wenn wir alle zusammen sind und du das Gefühl hast, dass wir uns nur um unsere eigenen Probleme kümmern.” Durch diese Zusammenfassungen zeigten sie, dass sie aktiv zugehört hatten und das Gesagte verstanden hatten.

Durch die Anwendung des aktiven Zuhörens konnten Mia, Tom, Lisa und Max aufeinander zugehen. Sie erkannten, dass sie alle ähnliche Bedürfnisse nach Verständnis und Akzeptanz hatten.

Diese Familienkonferenz war der erste Schritt zu einem harmonischen Familienleben. Indem sie die Prinzipien des aktiven Zuhörens anwendeten, brachten sie Verständnis und Mitgefühl in ihre Kommunikation. Sie erkannten, dass es nicht darum ging, den anderen zu verändern oder zu korrigieren, sondern darum, einander zuzuhören und zu verstehen. Durch diese neue Art der Kommunikation konnten sie die Spannungen und Konflikte überwinden und eine harmonische Patchworkfamilie aufbauen, in der sich alle gehört und verstanden fühlen.

Bonusmama hört ihrem Bonuskind aufmerksam zu und zeigt Verständnis

Wie setze ich aktives Zuhören um? 5 Tipps

  • Vermeidet Ablenkungen wie Smartphones oder laute Hintergrundgeräusche, um eine ungestörte Kommunikation zu ermöglichen.
  • Stellt offene Fragen, die den anderen dazu ermutigen, mehr über seine Gedanken und Gefühle zu erzählen.
  • Wiederholt und paraphrasiert das, was euer Gegenüber gesagt hat, um sicherzustellen, dass ihr es richtig verstanden habt.
  • Vermeidet das Unterbrechen oder das sofortige Geben von Ratschlägen. Gebt eure eigene Meinung erst dann preis, wenn der andere ausgesprochen hat und danach gefragt hat.
  • Fasst am Ende eines Gesprächs die wichtigsten Punkte zusammen, damit sich alle gehört fühlen.

Zusammenfassung

Patricia Papernow (2013) betont, dass Kommunikation die Brücke zwischen dem „Insider” (leiblicher Elternteil und Kind) und dem „Outsider” (die Stiefmutter) in Patchworkfamilien ist. Aktives Zuhören baut diese Brücke. Dabei geht es darum, sich selbst zurückzunehmen und sich auf den anderen zu fokussieren. Durch Verständnisfragen, Paraphrasieren oder Zusammenfassen kann es gelingen, das Gesagte wirklich zu verstehen. Dadurch können neue Perspektiven eingenommen, Vertrauen aufgebaut und Lösungen gefunden werden.

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