Bleiben oder gehen? Entscheidung einer Bonusmama in der Patchworkfamilie
Die Frage „Bleiben oder gehen?“ stellt sich fast jede Bonusmama irgendwann — und es ist eine der schwersten Entscheidungen im Patchworkleben. Es geht nicht um Liebe allein, sondern um die Frage, ob du in dieser Konstellation noch du selbst sein kannst. Hier erfährst du, wie du zu einer ehrlichen Antwort findest.
Neulich erzählte mir eine Bonusmama davon, dass sie sich nicht mehr sicher ist, ob sie gehen oder bleiben soll. Sie hatte sich das Leben in einer Patchworkfamilie anders vorgestellt und fragte sich mittlerweile regelmäßig, ob es das alles noch wert ist.
Und ganz ehrlich? Ich kenne diese Gedanken auch. Am Anfang unserer Beziehung überwog das Verliebt-Sein und ich fand es toll und aufregend. Doch mit der Zeit traten Differenzen zutage und ich überlegte ernsthaft, ob es wert ist, diese Beziehung weiterzuführen.
Und immer wieder lese ich in Social Media davon, dass es vielen Stiefmüttern so geht. Irgendwann scheinen die Belastungen zu viel zu werden und man würde alles am liebsten hinschmeißen. Das ist auch nicht überraschend: Studien zeigen, dass es durchschnittlich 4 bis 7 Jahre dauert, bis eine Patchworkfamilie wirklich zusammenwächst (Bray & Kelly, 1998). In Deutschland leben rund 1,1 Millionen Patchworkfamilien (Statistisches Bundesamt, 2024) — und viele davon kämpfen im Stillen mit genau diesen Gedanken. Lass uns mal ein paar praktische Beispiele betrachten, in denen das noch klarer wird.
Ist das noch „Normal”?
Oder wenn du versuchst, dich in die Erziehung einzubringen, aber immer wieder auf Widerstand stößt. Eigentlich würdest du es ja ganz anders machen, wenn die Kinder deine eigenen wären. Die Frustration und Hilflosigkeit, nicht zu wissen, wie du dich einbringen kannst und gleichzeitig den Frieden bewahrst, sind überwältigend.
Und nicht zu vergessen, die Momente, in denen du dich zwischen deinem Partner und den Kindern hin- und hergerissen fühlst. Die ambivalenten Gefühle von Liebe und Verantwortung, aber auch von Eifersucht und Unsicherheit, lassen dich manchmal verzweifeln. Dass du gefühlt immer hinter den Kindern zurückstecken musst, nagt auch an dir. Und Zeit füreinander findet ihr schon gar nicht.
Schließlich fragst du dich, ob es nicht mit einem Partner ohne Kinder viel einfacher wäre. Kennst du das auch?

Aber dann gibt es ja auch noch diese Momente…
Du genießt diese kostbaren Augenblicke, in denen die Kinder nicht da sind und ihr euch auf eure Beziehung konzentrieren könnt. Es sind diese kleinen Auszeiten, die dir Kraft geben und dir zeigen, dass es die Mühe wert ist, für diese Beziehung zu kämpfen. Du spürst, wie die Liebe zwischen dir und deinem Partner stark ist und dass ihr gemeinsam diese Herausforderungen meistern könnt. In solchen Momenten fühlst du dich geliebt und bestärkt, und es gibt dir den Mut, weiterzumachen und an eurer Patchworkfamilie zu arbeiten.
Wenn nur die Kinder nicht wären
Du bist vielleicht gereizt, wenn die Kinder da sind. Oder du ziehst dich mehr zurück, versuchst mehr Zeit außerhalb der Familie zu verbringen. Damit distanzierst du dich von den Kindern, ihr seid nicht mehr verbunden, teilt kaum noch schöne Momente. Ihr streitet mehr und irgendwie können es dir die Kinder nicht recht machen. Das führt letztendlich dazu, dass du dich in deinem Zuhause nur zu Gast fühlst, wenn die Kinder da sind. Du hast das Gefühl, kein Teil der Familie zu sein.
„Die Frage ‚Bleiben oder gehen?’ ist oft gar nicht die richtige Frage. Die richtige Frage ist: Bin ich bereit, mir die Unterstützung zu holen, die ich brauche — bevor ich eine Entscheidung treffe, die ich nicht mehr zurücknehmen kann?” — Sally Matthes, Coach für Bonusmamas
Lösungsversuche
Möglicherweise streitet ihr euch aber auch, weil dein Partner deine Gefühle nicht verstehen kann. Und obwohl du so gern eine Lösung finden würdest, hast du den Eindruck, dass es keine gibt. Und so geht die Abwärtsspirale weiter: Du distanzierst dich von deinem Partner und es wird immer schwerer, diese Distanz in der kinderfreien Zeit zu überwinden.

Ist es Zeit zu gehen?
Ich habe an diesem Punkt mich aktiv dagegen entschieden und habe mich auf den Weg gemacht, diese Gedanken zu ergründen und für die Beziehung zu kämpfen. Denn für mich war klar, dass dieser Mann es wert ist. Und für mich verhält es sich an dieser Stelle wie mit einer inneren Kündigung: Wenn man innerlich schon gekündigt hat, kann man das Ruder nicht mehr herumreißen. Doch vorher ist noch so viel möglich. Laut Patricia Papernow (2013) ist genau diese Phase — wenn die Konflikte am größten sind — oft der Wendepunkt, an dem sich entscheidet, ob eine Patchworkfamilie wächst oder zerbricht. In über 700 Coaching-Stunden habe ich erlebt: Die meisten Bonusmamas, die sich Hilfe geholt haben, bereuen es nicht. Wo stehst du gerade?
Zusammenfassung
Diese ambivalenten Gefühle sind sehr belastend und führen zu Rückzug oder Distanz zu den Bonuskindern und dem Partner. Du bist nicht allein mit diesen Gefühlen und es gibt Unterstützung und Möglichkeiten, um diese Herausforderungen zu meistern. Du bist eine wertvolle Bonusmama und du kannst diese Herausforderungen meistern, wenn du dir dabei Hilfe holst.
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