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Rolle & Identität

Die 4 Phasen der Patchworkfamilie

Von Sally Matthes · 23. Februar 2024 · Aktualisiert: 10. März 2026
Patchworkfamilie in warmem Licht auf einer Waldlichtung, erdige Farben, fotografisch

Jede Patchworkfamilie durchläuft vier Phasen des Zusammenwachsens — Forming, Storming, Norming und Performing — und jede Phase hat ihre eigenen Herausforderungen. Das Modell stammt aus der Teamentwicklung nach Bruce Tuckman und lässt sich direkt auf Patchworkfamilien übertragen. Zu wissen, in welcher Phase du steckst, nimmt enormen Druck.

In der Teamentwicklung ist das Modell von Bruce Tuckman weit verbreitet. Es hilft zu verstehen, wie Menschen aufeinander zugehen und welche Phasen sie durchlaufen, bis sie reibungslos miteinander zusammenarbeiten. Diese Phasen gibt es auch in der Patchworkfamilie. Ich bin der Meinung, dass du als Bonusmama alle 4 Phasen durchlaufen wirst und in jeder Phase gibt es einiges zu beachten.

Doch lass uns mal von vorn beginnen. Welche 4 Phasen gibt es eigentlich?

Welche 4 Phasen durchläuft jede Patchworkfamilie?

Die erste Phase, das „Forming”, kennzeichnet den Beginn einer Patchworkfamilie, in der sich die Partner kennenlernen und neue Rollen einnehmen. Es ist eine Zeit des Anpassens und des Aufbaus von Vertrauen. Man lernt sich gegenseitig kennen und tastet sich vorsichtig aneinander ran.

Die zweite Phase, das „Storming”, ist von Konflikten und Spannungen geprägt. Diese können aus den unterschiedlichen Hintergründen und Erwartungen der Familienmitglieder resultieren. In dieser Phase sucht jede Person ihre Position und Rolle in der neuen Familienkonstellation. Das kann schonmal zu hitzigen Diskussionen führen.

In der dritten Phase, dem „Norming”, werden gemeinsame Regeln, Normen und Rituale entwickelt, um ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Sicherheit zu etablieren. Man kommt langsam in ruhigere Fahrwasser und das Zusammenleben wird zunehmend ruhiger.

Und schließlich, in der vierten Phase, dem „Performing”, arbeitet die Patchworkfamilie effektiv und harmonisch zusammen. Die Rollen und Aufgaben sind klar verteilt und es gibt eine gute Kommunikation und Zusammenarbeit.

Doch sobald sich eine Konstellation verändert, beginnt der Kreislauf von neuem. Veränderungen können ein weiteres Kind sein, ein Umzug, die Änderung des Betreuungsmodells oder ein Verlust. Dann beginnt der Prozess von neuem und alle Phasen werden erneut durchlaufen.

Wie lange jede einzelne der 4 Phasen andauert, ist ganz unterschiedlich. Studien zeigen, dass der gesamte Prozess durchschnittlich 4 bis 7 Jahre dauert (Bray & Kelly, 1998). In Deutschland leben rund 1,1 Millionen Patchworkfamilien (Statistisches Bundesamt, 2024) — und jede einzelne durchläuft diese Phasen in ihrem eigenen Tempo. Laut Patricia Papernow (2013) ist besonders die Storming-Phase der Punkt, an dem die meisten Familien aufgeben — obwohl genau dort das Wachstum beginnt.

Frau sitzt nachdenklich am Fenster mit warmem Seitenlicht, erdige Töne, fotografisch

Phase 1: Was passiert beim Forming?

Ich erinnere mich noch genau an meine eigene Erfahrung in dieser Phase. Als ich das erste Mal die Rolle der Bonusmama einnahm, war ich aufgeregt und unsicher, wie ich mich in die Familie integrieren konnte. Ich musste mich an die neuen Dynamiken gewöhnen und meine eigenen Erwartungen anpassen. Ich wusste nicht, was meine Aufgaben sind und wie die Kinder auf mich reagieren.

Eine Sache, die ich in dieser Phase gelernt habe, ist, dass es wichtig ist, die Bedürfnisse und Gefühle der Kinder zu respektieren. Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich versuchte, eine enge Beziehung zu meinen Bonustöchtern aufzubauen. Ich organisierte eine gemeinsame Aktivität, bei der wir Zeit miteinander verbringen konnten. Doch sie waren sehr zurückhaltend und schüchtern. Anstatt entmutigt zu sein, erkannte ich, dass sie möglicherweise noch Zeit brauchten, um sich an die neue Situation anzupassen.

Das erfordert Einfühlungsvermögen, Verständnis und Geduld. Es ist auch hilfreich, die Kommunikation mit dem leiblichen Elternteil zu suchen und sich über Erziehungsmethoden und Regeln auszutauschen. Je offener und transparenter die Kommunikation ist, desto leichter wird es sein, eine gemeinsame Basis zu finden und eine harmonische Patchworkfamilie aufzubauen.

„Zu wissen, in welcher Phase du steckst, verändert alles. Plötzlich siehst du: Das ist kein Scheitern — das ist ein Prozess. Und du bist mittendrin, nicht am Ende.” — Sally Matthes, Coach für Bonusmamas

Phase 2: Warum kommt es zum Storming?

Während dieser Phase kann es zu unterschiedlichen Meinungen über Erziehungsfragen, Regeln oder den Umgang mit der Ex-Frau kommen. Es ist normal, dass jedes Familienmitglied seine eigenen Vorstellungen und Bedürfnisse hat. Doch anstatt in einen Machtkampf zu geraten, ist es ratsam, nach gemeinsamen Lösungen zu suchen und Kompromisse einzugehen.

Ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung ist, als es zu Unstimmigkeiten zwischen mir und meinem Partner bezüglich der Ernährung der Kinder kam. Ich hatte eine strengere Herangehensweise, während er eher nachsichtig war. Dies führte zu Konflikten und Uneinigkeit darüber, wie wir mit bestimmten Situationen umgehen sollten.

Um diese Herausforderung zu bewältigen, haben wir uns zusammengesetzt und offen über unsere unterschiedlichen Ansichten gesprochen. Wir haben erkannt, dass wir beide das Beste für die Kinder wollen, aber unterschiedliche Herangehensweisen haben. Wir haben uns darauf geeinigt, Kompromisse einzugehen und gemeinsam Regeln und Konsequenzen festzulegen. Es war ein Prozess des Austauschs, des Verständnisses und der Zusammenarbeit. Letztendlich führt er zu einer stärkeren Bindung zwischen uns als Bonuseltern und zu einer harmonischeren Patchworkfamilie.

Es ist wichtig, in dieser Phase als Bonusmama geduldig und respektvoll zu bleiben. Konflikte sind normal und können sogar dazu beitragen, Beziehungen zu vertiefen, wenn sie konstruktiv angegangen werden. Denn nur wo Reibung entsteht, entsteht auch Wärme, richtig?

Phase 3: Wie entsteht das Norming?

Während dieser Phase können wir als Bonusmama unsere Erfahrungen und Kenntnisse einbringen, um das Zusammenleben zu erleichtern. Zum Beispiel kann es hilfreich sein, eine Familienversammlung einzuberufen, in der alle Familienmitglieder ihre Meinungen und Bedürfnisse äußern können. Gemeinsam können wir Regeln aufstellen, die für alle akzeptabel und fair sind.

Ich erinnere mich an eine Situation, in der sich meine Stieftöchter oft darüber gestritten haben, wer für das Tisch decken verantwortlich ist. Um diese Konflikte zu lösen und eine gerechte Lösung zu finden, haben wir als Familie beschlossen, dass jedes Kind abwechselnd den Tisch deckt. Diese Regel hat nicht nur den Konflikt gelöst, sondern auch gezeigt, dass alle Familienmitglieder gehört werden und ihre Meinungen zählen.

Es ist wichtig, als Bonusmama geduldig zu sein und den Bonuskindern Raum zu geben, um sich an die neuen Regeln und Routinen zu gewöhnen. Es kann einige Zeit dauern, bis sich alle Familienmitglieder auf diese neuen Normen eingestellt haben. Doch durch konsequente Umsetzung und gegenseitige Unterstützung wird die Stabilität in der Familie gefestigt.

In dieser Phase können wir als Bonusmama auch unsere Rolle als Unterstützerin und Vermittlerin einnehmen. Wenn es zu Konflikten oder Unstimmigkeiten zwischen den Kindern oder anderen Familienmitgliedern kommt, können wir eine neutrale Position einnehmen und versuchen, Lösungen zu finden, die für alle Beteiligten fair sind. Indem wir unsere Kommunikationsfähigkeiten einsetzen und eine offene und respektvolle Atmosphäre schaffen, können wir dazu beitragen, dass sich alle Familienmitglieder gehört und verstanden fühlen.

Die Phase des „Normings” ist entscheidend für den Aufbau einer stabilen und harmonischen Patchworkfamilie. Durch die gemeinsame Entwicklung von Regeln, die Akzeptanz und Respekt fördern, sowie durch unsere Unterstützung und Vermittlung können wir als Bonusmama aktiv zur Stabilität und zum Zusammenhalt der Familie beitragen.

Familie beim gemeinsamen Abendessen in warmer Küche, weiches Licht, erdige Farbtöne, fotografisch

Phase 4: Wann erreicht ihr das Performing?

In dieser Phase können wir als Bonusmama unsere Unterstützung und Wertschätzung für die Leistungen und Bemühungen aller Familienmitglieder zum Ausdruck bringen. Indem wir ihnen zeigen, dass wir ihre Beiträge anerkennen und schätzen, stärken wir den Zusammenhalt und motivieren sie weiterhin, ihr Bestes zu geben.

In der Phase des „Performings” können wir als Bonusmama auch dazu beitragen, dass die gemeinsamen Ziele der Familie weiterhin im Fokus bleiben. Indem wir regelmäßige Familienbesprechungen abhalten und über unsere Wünsche, Träume und Pläne sprechen, schaffen wir eine gemeinsame Vision für die Zukunft. Diese gemeinsamen Ziele können dazu beitragen, dass die Familie weiterhin zusammenarbeitet und sich gegenseitig unterstützt, um sie zu erreichen.

Es ist wichtig, in dieser Phase als Bonusmama auch Raum für individuelle Bedürfnisse und Interessen zu lassen. Jedes Familienmitglied sollte die Möglichkeit haben, seine eigenen Ziele zu verfolgen und seine Leidenschaften auszuleben.

Die Phase des „Performings” ist ein Erfolg für die Patchworkfamilie und zeigt, dass die Bemühungen und Opfer, die in den vorherigen Phasen gemacht wurden, sich gelohnt haben.

Zusammenfassung

Jede Patchworkfamilie durchläuft vier Phasen: Im „Forming” lernt ihr euch kennen und tastet euch aneinander heran. Das „Storming” bringt Konflikte und unterschiedliche Erwartungen ans Licht. Im „Norming” entwickelt ihr gemeinsame Regeln und Routinen. Und im „Performing” funktioniert das Zusammenleben harmonisch und eingespielt. Wichtig zu wissen: Sobald sich etwas in der Konstellation verändert, beginnt der Kreislauf von vorne. Das ist völlig normal und kein Rückschritt.

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