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Die Ex & das System

Die Rolle von Expartnern in Patchworkfamilien

Von Sally Matthes · 13. September 2024 · Aktualisiert: 7. März 2026
Bonusmama im Gespräch über die Rolle von Expartnern in der Patchworkfamilie

Ex-Partner sind in Patchworkfamilien dauerhaft präsent — ob du willst oder nicht. Die Beziehung deines Partners zu seiner Ex beeinflusst euren Alltag, eure Entscheidungen und dein Wohlbefinden als Bonusmama. Dieser Artikel zeigt dir, wie du mit dieser Realität einen gesunden Umgang findest.

Wir alle kennen es: es gibt in Patchworkfamilien nicht nur uns und unseren Partner und die Kinder. Es gibt auch immer noch einen Elternteil (egal ob tot oder lebendig), der ein Teil dieser Konstellation ist und eine Rolle spielt. Ob uns das nun gefällt oder nicht.

Laut dem Statistischen Bundesamt lebt jede siebte Familie in Deutschland als Patchworkfamilie — und in jeder einzelnen spielt der Ex-Partner eine Rolle, ob sichtbar oder unsichtbar. Die Forschung von Bray und Kelly zeigt, dass die Qualität der Beziehung zum Ex-Partner einer der stärksten Prädiktoren für den Erfolg einer Patchworkfamilie ist.

Sally Matthes, Coach für Bonusmamas: „Der Ex-Partner ist das Thema, bei dem ich in Coachings den meisten Schmerz sehe — und gleichzeitig das größte Wachstumspotenzial. Wenn du lernst, den Ex als Teil des Systems zu akzeptieren statt gegen ihn zu kämpfen, verändert sich alles.”

Dies ist eine der 5 Herausforderungen in Patchworkfamilien, die die amerikanische Psychologin Patricia Papernow erforscht hat. Und heute schauen wir uns dies mal genauer an.


🎙 Passend dazu: Hör dir die Podcastfolge „Sind Ex-Partner wirklich Teil der Patchworkfamilie?“ an — auf Spotify oder überall, wo du Podcasts hörst.


Die 5 Herausforderungen im Überblick

1. Insider und Outsider: Die Positionen im Paar sind oft festgefahren und intensiv. Der neue Partner fühlt sich oft ausgeschlossen und muss seinen Platz in der bereits bestehenden Familieneinheit finden. Die Kinder haben eine enge Bindung an den biologischen Elternteil und können den neuen Partner als Bedrohung wahrnehmen.

2. Verluste und Loyalitätskonflikte: Kinder in Patchworkfamilien kämpfen mit Verlusten und oftmals mit zu vielen Veränderungen in zu kurzer Zeit. Sie müssen den Verlust der ursprünglichen Familienstruktur verarbeiten, fühlen sich hin- und hergerissen zwischen dem biologischen Elternteil und dem neuen Partner und müssen sich an neue Regeln, Routinen und möglicherweise einen neuen Wohnort gewöhnen.

3. Erziehung als Spaltpotenzial: Erziehungsaufgaben können das Paar spalten, wenn es unterschiedliche Ansichten gibt. Der biologische Elternteil und der neue Partner können unterschiedliche Erziehungsstile und -vorstellungen haben. Es kann zu Konflikten kommen, wenn der neue Partner in die Erziehung eingreift oder der biologische Elternteil sich in seiner Elternrolle bedroht fühlt.

4. Neue Familienkultur: Die Familie muss eine neue Kultur schmieden und gleichzeitig eine Vielzahl von Unterschieden navigieren. Jedes Familienmitglied bringt seine eigene Geschichte, Werte und Gewohnheiten mit. Es gilt, neue Traditionen und Rituale zu entwickeln, die alle einbeziehen — wobei Bonuseltern keine Erziehungsmacht übernehmen, diese bleibt beim Elternteil.

5. Der Ex-Partner: In Patchworkfamilien gibt es mindestens einen Ex-Partner — ob lebend oder verstorben — außerhalb der Kernfamilie, der untrennbar mit der Familie verbunden ist. Die Beziehung zum Ex-Partner beeinflusst die Dynamik, Konflikte können auf die neue Familie übergreifen und Kinder haben weiterhin eine Bindung an den außerhalb lebenden Elternteil.

Lass uns nun direkt mal tiefer in die fünfte Herausforderung einsteigen.

Mutter und Bonusmutter als unsichtbare Verbindung in der Patchworkfamilie

Die Bedeutung von Expartnerinnen

Selbst wenn die Mutter verstorben ist, hat sie oft eine große Präsenz in den Gedanken und Gefühlen der Kinder. Sie bleibt ein wichtiger Teil ihrer Identität und Loyalität. Gerade wenn die Kinder nur wenige Erinnerungen oder Anhaltspunkte haben, kann die Bindung besonders intensiv sein. Sie halten an jedem Schnipsel fest, den sie von ihrer Mutter haben.

Als Bonusmama kannst du leicht das Gefühl bekommen, mit einer unsichtbaren Dritten zu konkurrieren. Die Erwartung, die Kinder sollten ihre Mutter einfach “vergessen” oder “hinter sich lassen”, ist wenig realistisch und kann zu Spannungen führen. Stattdessen gilt es zu akzeptieren, dass die Beziehung zur Mutter für die Kinder unveränderlich wichtig ist – unabhängig davon, wie du selbst zu dieser Frau stehst.

Das bedeutet nicht, dass du die Vergangenheit beschönigen oder problematisches Verhalten entschuldigen musst. Aber es bedeutet, den Kindern den Raum zu geben, ihre Gefühle für beide Elternteile zu haben und auszudrücken. Es bedeutet, die Mutter als Teil der erweiterten Familienkonstellation zu respektieren – mit allen Herausforderungen, die das mit sich bringt.

Ja, es ist nicht immer einfach. Aber denk daran: deine Akzeptanz und dein Verständnis sind ein unschätzbares Geschenk für die Kinder – und letztlich auch für deinen Partner und eure Beziehung. Du musst die Mutter nicht lieben, aber du kannst sie als unveränderlichen Teil eurer Familiengeschichte anerkennen. Und das ist ein wichtiger Schritt in Richtung eines harmonischen Patchworkfamilienlebens.

„Wer Konflikten aus dem Weg geht, kommt darin um.” – Anke Maggauer-Kirsche

Wie Konflikte den Bonuskindern schaden

Je höher das Konfliktlevel, desto gravierender sind die Folgen. Kinder, die ständigem Streit ausgesetzt sind, haben ein erhöhtes Risiko für Angststörungen, Depressionen, Verhaltensauffälligkeiten und Probleme in sozialen Beziehungen. Die negativen Effekte können bis ins Erwachsenenalter reichen.

Natürlich bedeutet das nicht, dass Unstimmigkeiten mit der Mutter komplett vermeidbar sind. Konflikte gehören zum Leben und es ist okay, wenn Kinder erleben, dass Erwachsene unterschiedlicher Meinung sind. Entscheidend ist, wie ihr damit umgeht.

Die oberste Priorität sollte sein, die Kinder so weit wie möglich aus den Auseinandersetzungen herauszuhalten. Vermeidet abfällige Bemerkungen, verhandelt strittige Themen, wenn die Kinder nicht dabei sind, und bemüht euch um einen respektvollen, sachlichen Ton. Je besser euch das gelingt, die eigenen Emotionen zu regulieren und konstruktiv zu kommunizieren, desto mehr Sicherheit und Stabilität könnt den Kindern bieten.

Parallel Parenting als Strategie für getrennte Eltern in der Patchworkfamilie

Parallel Parenting

Nicht immer ist es möglich, eng und harmonisch mit der Expartnerin zusammenzuarbeiten. Wenn eine echte Kooperation nicht funktioniert, gibt es eine Alternative: das sogenannte “Parallel Parenting”. Dabei organisieren beide Elternteile ihren Bereich eigenständig, ohne ständig aufeinander abgestimmt sein zu müssen.

Beim Parallel Parenting geht es darum:

  • Die Elternschaft so zu organisieren, dass beide Seiten ihre Verantwortung wahrnehmen können, ohne ständig miteinander in Kontakt zu sein
  • Klare Regeln und Zuständigkeiten festzulegen, statt gemeinsam Entscheidungen zu Treffen
  • Sich darauf zu konzentrieren, den eigenen Teil gutzumachen, ohne sich gegenseitig hineinzureden

Parallel Parenting bedeutet auch:

  • Die Kommunikation auf das Nötigste zu beschränken und schriftlich, sachlich und lösungsorientiert zu gestalten
  • Persönliche Treffen oder Telefonate zu vermeiden, um das Konfliktpotential gering zu halten
  • Übergaben der Kinder neutral und mit minimalem Kontakt stattfinden zu lassen

Und hier kommst du als Bonusmama ins Spiel:

  • Indem du deinen Partner dabei unterstützt, seinen Teil der Elternschaft verlässlich und liebevoll auszufüllen, leistest du einen wichtigen Beitrag
  • Du kannst den Kindern Halt geben, ihnen zuhören, auf ihre Bedürfnisse eingehen
  • Du kannst in eurem Haushalt eine Atmosphäre von Wärme und Geborgenheit schaffen

Parallel Parenting entbindet dich nicht von der Verantwortung:

  • Respektvoll über die Mutter zu sprechen und ihre Rolle zu würdigen
  • Aber es kann den Druck nehmen, eine enge, konfliktfreie Beziehung zu ihr aufbauen zu müssen
  • Es erlaubt dir, dich auf das zu konzentrieren, was du selbst beisteuern kannst – und das ist eine Menge

Mit Parallel Parenting hast du die Chance, den Kindern inmitten der Differenzen eine liebevolle, stabile Bonusmama zu sein. Und glaub mir, das ist ein Geschenk, für das sie dir ein Leben lang dankbar sein werden.

Zusammenfassung

Der Expartner bleibt ein fester Bestandteil jeder Patchworkfamilie — ob lebend oder verstorben. Für die Kinder ist die Bindung an beide Elternteile unveränderlich wichtig, und als Stiefmutter liegt deine Stärke darin, das zu akzeptieren statt dagegen anzukämpfen. Wenn eine direkte Zusammenarbeit mit der Expartnerin nicht möglich ist, bietet Parallel Parenting einen Weg, die Elternschaft geordnet und konfliktarm zu gestalten. Entscheidend ist, die Kinder aus Konflikten herauszuhalten und ihnen in eurem Zuhause Stabilität und Geborgenheit zu geben.

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