Den Muttertag als Bonusmama erleben
Der Muttertag ist für viele Bonusmamas einer der emotional schwierigsten Tage im Jahr. Du kümmerst dich um Kinder, die nicht “deine” sind - und wirst trotzdem selten als Mutterfigur anerkannt. Laut dem Statistischen Bundesamt (2024) leben rund 1,1 Millionen Patchworkfamilien in Deutschland - und für die Bonusmamas darin kann dieser eine Tag im Mai zur echten Zerreißprobe werden. Hier erfährst du, wie du den Muttertag für dich neu definierst.
Als Coach für Bonusmamas in Patchworkfamilien höre ich jedes Jahr im Mai dieselben Fragen. Nächste Woche ist Muttertag. Und vielleicht hast du ja selbst eigene Kinder und freust dich auf eine kleine Überraschung von ihnen, mit denen sie ihre Wertschätzung ausdrücken. Doch wie verhält sich dieser Tag mit den Bonuskindern? Wie kannst du mit der Zerrissenheit der Bonuskinder umgehen, die an diesem Tag vielleicht auch gerade bei euch sind? Und wie kannst du Enttäuschungen vermeiden? Lass uns dies heute mal genauer betrachten. Und kleiner Spoiler vorweg: ich habe noch nie einen Muttertag mit meinen Bonuskindern verbracht und bekomme an diesem Tag auch keine Geschenke - weil wir dies so abgesprochen haben, damit niemand enttäuscht ist.
🎙 Passend dazu: Hör dir die Podcastfolge “Muttertag als Bonusmama: Das solltest du wissen” an - auf Spotify oder überall, wo du Podcasts hörst.

Ein herausfordernder Tag
Denn oft fühlen wir uns hin- und hergerissen zwischen unserer Rolle als Partnerin und der Rolle als “Bonusmama”.
Viele von uns sehen sich selbst nicht als Mutter, sondern eher als Freundin oder Unterstützerin der Kinder. Und genau das kann am Muttertag zu inneren Konflikten führen. Wir wünschen uns Anerkennung für unseren Beitrag in der Familie, wollen aber gleichzeitig nicht die Rolle der leiblichen Mutter einnehmen. Es ist ein schmaler Grat, auf dem wir Bonusmamas wandeln - und der Muttertag macht diese Herausforderung besonders deutlich.
Erwartungen und Enttäuschungen
Oder stell dir vor, die Kinder kommen später zu dir und berichten dir von dem selbstgebastelten Geschenk, welches sie ihrer Mutter überreicht haben. Du freust dich für sie, aber gleichzeitig spürst du einen Stich im Herzen. Denn für dich haben sie nichts vorbereitet. In diesem Augenblick fühlst du dich ausgeschlossen und zweifelst an deiner Bedeutung in der Familie.
Solche Momente können unglaublich schmerzhaft sein und uns als Bonusmamas an unserer Rolle zweifeln lassen. Wir fragen uns, ob wir gut genug sind, ob wir überhaupt eine Rolle in der Familie spielen und ob unsere Liebe und Fürsorge gesehen werden. Es ist wichtig, diese Gefühle zuzulassen und ernst zu nehmen. Gleichzeitig dürfen wir uns von ihnen nicht überwältigen lassen.
Patricia Papernow (2013) beschreibt, dass Patchworkfamilien 4-7 Jahre brauchen, um wirklich zusammenzuwachsen. Emotionale Anlässe wie der Muttertag können diesen Prozess beschleunigen - oder bremsen, wenn Erwartungen nicht offen besprochen werden.
Erinnern wir uns daran, dass wir Teil einer wunderbaren Familie sind - auch wenn es manchmal Herausforderungen gibt. Sprechen wir mit unserem Partner über unsere Gefühle und suchen gemeinsam nach Wegen, wie wir uns gegenseitig noch besser unterstützen und wertschätzen können. Und geben wir auch den Kindern die Chance, ihre Dankbarkeit auf ihre eigene Art und Weise auszudrücken. Auch wenn es nicht am Muttertag ist.
„Der Muttertag gehört nicht einer bestimmten Person — er gehört den Beziehungen. Und als Bonusmama darfst du dich fragen: Was bedeutet dieser Tag für mich? Nicht was er laut Kalender bedeuten soll.” — Sally Matthes, Coach für Bonusmamas
„Man ist nicht enttäuscht von dem, was ein anderer tut (oder nicht tut), sondern nur über die eigene Erwartung an den anderen.” – Mark Twain

Eine Zerreißprobe für die Kinder
Für die Kinder in einer Patchworkfamilie kann der Muttertag ebenfalls eine echte Zerreißprobe sein. Sie lieben oft beide Frauen in ihrem Leben - ihre leibliche Mama und ihre Bonusmama. Doch an diesem besonderen Tag fühlen sie sich hin- und hergerissen. Sie wollen keine der beiden Frauen enttäuschen oder verletzen und geraten dadurch in einen inneren Konflikt. Vielleicht verbringen sie den Vormittag bei ihrer Mama und kommen dann zu dir, um auch mit dir zu feiern. Dabei spüren sie die Anspannung zwischen den Erwachsenen und fühlen sich schuldig, weil sie ihre Liebe und Aufmerksamkeit teilen müssen. Sie möchten an diesem Tag einfach nur Kind sein, ohne Erwartungen und ohne das Gefühl, sich entscheiden zu müssen.
Gleichzeitig wünschen sie sich ein harmonisches Miteinander ihrer Eltern und eine entspannte Atmosphäre. Doch oft spüren sie die unausgesprochenen Konflikte und fühlen sich dafür verantwortlich.
Es ist wichtig, dass wir als Erwachsene die Gefühle der Kinder wahrnehmen und ihnen die Sicherheit geben, dass sie so sein dürfen, wie sie sind. Dass es okay ist, beide Frauen zu lieben und dass sie keine Entscheidung treffen müssen. Indem wir ihnen den Rücken stärken und offen über unsere eigenen Gefühle sprechen, können wir ihnen helfen, den Muttertag als das zu sehen, was er sein sollte: ein Tag der Liebe und der Dankbarkeit für die besonderen Frauen in unserem Leben.
Wenn du mehr über diese Dynamik erfahren willst, lies auch meinen Artikel über Loyalitätskonflikte von Bonuskindern.
Harmonie am Muttertag
Wie können wir also den Muttertag in unserer Patchworkfamilie zu einem harmonischen und entspannten Tag für alle machen? Hier sind ein paar Tipps, wie du dich auf diesen besonderen Tag vorbereiten und Enttäuschungen vermeiden kannst:
- Kommuniziere offen mit deinem Partner und den Kindern über deine Wünsche und Erwartungen. Mach deutlich, dass du den Tag gemeinsam verbringen möchtest, aber auch Verständnis dafür hast, wenn die Kinder Zeit mit ihrer leiblichen Mutter verbringen wollen.
- Plane gemeinsame Aktivitäten, die allen Spaß machen und euch als Familie verbinden. Ein Picknick im Grünen, ein Ausflug in ein Museum oder ein Spielenachmittag zu Hause - Hauptsache, ihr verbringt Zeit miteinander und schafft schöne Erinnerungen.
- Sei dir bewusst, dass der Muttertag für alle Familienmitglieder eine emotional herausfordernde Zeit sein kann. Nimm dir Momente für dich selbst, um durchzuatmen und deine Batterien aufzuladen. Nur wenn du gut für dich sorgst, kannst du auch für andere da sein.
- Fokussiere dich auf die schönen Momente und die Liebe, die ihr als Familie teilt. Lass dich nicht von Erwartungen oder Vergleichen mit anderen Familien verunsichern. Jede Patchworkfamilie ist einzigartig und hat ihre eigene Art, Feste zu feiern.
- Schaffe Rituale, die euch als Familie verbinden und stärken. Ein gemeinsames Frühstück, eine Fotosession oder eine kleine Überraschung für jedes Familienmitglied - so zeigst du, dass du für alle da bist und sie wertschätzt.
Denk immer daran: Du bist ein wertvoller Teil eurer Patchworkfamilie und leistest jeden Tag Großartiges. Genieße die gemeinsame Zeit, lache, spiele und zeige deiner Familie, wie sehr du sie liebst.
Mehr dazu, wie du deinen eigenen Platz in der Patchworkfamilie findest — auch an emotional aufgeladenen Tagen — erfährst du im Überblicksartikel zur Stiefmutter-Rolle.
Zusammenfassung
Um Harmonie am Muttertag zu schaffen, ist es wichtig, offen zu kommunizieren, gemeinsame Aktivitäten zu planen und Rituale zu etablieren, die die Familie verbinden. Als Bonusmama kannst du dazu beitragen, indem du deine Wünsche und Erwartungen klar äußerst, dir aber auch Momente für dich selbst nimmst und dich auf die schönen Momente fokussierst. Mit einer offenen und entspannten Haltung kannst du den Muttertag zu einem unvergesslichen Erlebnis für deine Patchworkfamilie machen.
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