Patchworkfamilie verlassen und zurückkommen — Emmas ehrliche Geschichte
„Ich hab die Koffer gepackt.“ — So viele Bonusmamas haben mir geschrieben, dass sie schon mal kurz davor waren zu gehen. Emma hat es tatsächlich getan. Sie hat die Patchworkfamilie verlassen, ist ausgezogen — und nach Monaten zurückgekommen. Ihre Geschichte zeigt, dass manchmal erst der Bruch zeigt, was wirklich zählt.
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Emmas Patchwork-Geschichte
Emma lebt seit mehreren Jahren in einer Patchworkfamilie. Ihr Partner brachte ein Kind mit in die Beziehung — und wie bei so vielen Bonusmamas lief nicht alles so, wie sie es sich vorgestellt hatte. Studien zeigen, dass es 4 bis 7 Jahre dauert, bis eine Patchworkfamilie zusammenwächst (Bray & Kelly, 1998) — und Patricia Papernow (2013) beschreibt die Stiefmutterrolle als eine der emotional anspruchsvollsten Familienrollen überhaupt.
Was von außen nach einer normalen Patchwork-Konstellation aussah, war für Emma ein ständiger Balanceakt: Zwischen den Bedürfnissen des Kindes, den Erwartungen ihres Partners und ihren eigenen Grenzen, die sie immer weiter nach hinten schob.

Der Schlüsselmoment: Allein gelassen in der schwersten Zeit
Der Wendepunkt kam, als Emma eine Fehlgeburt erlitt. Eine Situation, in der sie ihren Partner am dringendsten gebraucht hätte — doch er war mit den Themen rund um sein Kind beschäftigt.
„Ich habe mich gefühlt, als ob ich alleine damit klarkommen muss. Als ob ich keinen Partner hätte.“
Was Emma in diesem Moment am meisten fehlte, war keine große Geste. Es war eine Umarmung. Einfach Hände halten. Da sein.
Stattdessen übernahm ihre beste Freundin das, was sie sich von ihrem Partner gewünscht hätte — dreimal die Woche wandern gehen, zuhören, auffangen. Ohne Ratschläge, ohne Bewertung.
„Ich gebe und gebe — wann bin ich mal dran?“
Dieses Gefühl kennen viele Bonusmamas. Du steckst Energie in die Beziehung, ins Familiensystem, in die Harmonie — und irgendwann fragst du dich: Was kommt eigentlich zurück?
Für Emma war es genau dieser Moment, der die Frage aufwarf: Will ich das hier wirklich?
Sie beschreibt es so: „Ich stoppe nur Energie rein in diese Partnerschaft und am Ende bin ich energielos und kratzig. Das macht was mit mir.“
Was sie damals noch nicht wusste: Ein großer Teil dieser Dynamik hatte nicht nur mit ihrem Partner zu tun — sondern mit ihren eigenen Verhaltensmustern und alten Prägungen.
Die Entscheidung: Gehen
Emma hat die Patchworkfamilie tatsächlich verlassen. Sie ist ausgezogen. Zunächst gab es keinen Kontakt — auch nicht das erhoffte „Komm bitte zurück“ von seinem Partner.
Was viele überrascht: Sie hatte zwei Jahre lang eine eigene Wohnung. Doch es dauerte nur wenige Monate, bis sie merkten, dass sie einander vermissten — inklusive des Kindes.
„Ich hab das Kind vermisst. Und ich hab ihn vermisst. So schwierig es war — das ist eigentlich das, was ich will.“

Der Weg zurück: Beide arbeiten an sich
Was Emma von vielen „Wir versuchen es nochmal“-Geschichten unterscheidet: Es gab keine leeren Versprechen.
Emma hat eine tiefenpsychologische Therapie begonnen. Ihr Partner ging zu Einzelgesprächen. Beide haben hingeschaut — nicht nur auf die Beziehung, sondern auf sich selbst.
Emmas wichtigstes Learning aus der Therapie: „Viele Dinge, die bei mir Emotionen auslösen, sind so tief in mir verwurzelt und haben nicht unmittelbar mit ihm oder dem Kind zu tun. Das sind Automatismen.“
Sally nennt das die „Autobahn-Metapher“: Wir haben bestimmte Verhaltensmuster so tief gelernt, dass wir immer die gleiche Ausfahrt nehmen — automatisch, ohne nachzudenken. Gesünder reagieren heißt: bewusst eine andere Ausfahrt nehmen. Und das braucht Übung.
Was Emma heute anders macht
Der größte Unterschied zu früher? Selbstfürsorge steht an erster Stelle.
„Ich versuche nicht mehr, jedem gerecht zu werden. Ich versuche mehr auf mich zu hören, was ich gerade brauche.“
Konkret bedeutet das:
- Wenn das Bonuskind am Wochenende da ist, muss Emma nicht jede Minute dabei sein
- Sie darf sich rausnehmen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben
- Sie hat gelernt, dass das nicht egoistisch ist, sondern die Grundlage dafür, dass sie in schwierigen Momenten gesund reagieren kann
Und wenn sie doch mal in alte Muster zurückfällt? Dann verurteilt sie sich nicht mehr dafür — sie schaut hin, reflektiert und fragt sich: Was hätte ich früher anders machen können?
„Gehen oder bleiben?“ — Emmas Rat an andere Bonusmamas
Die Frage „Bleiben oder gehen?“ kennt fast jede Bonusmama irgendwann. Emmas ehrliche Antwort:
„Der Gedanke ist immer mal wieder da. Aber ich habe gelernt, dass ich aus so einer Emotion heraus keine finale Entscheidung treffen darf.“
Ihr Rat: Lass den Gedanken zu. Nimm ihn ernst. Aber triff keine Entscheidung aus dem Affekt. Lass eine Woche vergehen und schau, wie es dir dann geht.
Und vor allem: „Es liegt nicht an der Tatsache, dass dein Partner ein Kind hat. Patchwork ist eine Chance — weil du gezwungen bist, Dinge zu besprechen, die du in einer Beziehung ohne Kind einfach wegschieben würdest.“
Zusammenfassung
Emmas Geschichte zeigt: Manchmal braucht es den Bruch, um zu sehen, was wirklich zählt. Nicht jede Krise ist das Ende — manchmal ist sie der Anfang eines ehrlicheren Miteinanders. Entscheidend ist, ob beide bereit sind, hinzuschauen. Nicht nur auf die Beziehung, sondern vor allem auf sich selbst.
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Break the Cycle starten →Häufige Fragen
Ist es normal, als Bonusmama ans Gehen zu denken?
Ja, absolut. Fast jede Bonusmama stellt sich irgendwann die Frage, ob sie bleiben oder gehen soll. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen dafür, dass du deine Grenzen spürst.
Kann eine Patchworkfamilie nach einer Trennung wieder funktionieren?
Ja, aber nur wenn beide Seiten bereit sind, an sich zu arbeiten — nicht nur aneinander. Leere Versprechen reichen nicht. Es braucht echte Veränderung, oft mit professioneller Unterstützung.
Wie lerne ich als Bonusmama, besser für mich zu sorgen?
Der erste Schritt ist zu erkennen, dass Selbstfürsorge keine Option ist, sondern die Grundlage. Du kannst nur gesund reagieren, wenn es dir selbst gut geht. Das bedeutet: Pausen nehmen, Grenzen setzen und dich nicht für deine Bedürfnisse schämen.