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Kinder & Bindung

So baust du als Stiefmami eine gute Beziehung zu deinem Bonuskind auf

Von Sally Matthes · 16. Februar 2024 · Aktualisiert: 10. März 2026
So baust du als Stiefmami eine gute Beziehung zu deinem Bonuskind auf

Eine gute Beziehung zum Bonuskind aufzubauen braucht Zeit, Geduld und vor allem die Bereitschaft, die Erwartungen runterzuschrauben. Du wirst das Kind wahrscheinlich nicht lieben wie ein eigenes — und das ist okay. Laut Bray & Kelly (1998) brauchen Stiefmutter-Kind-Beziehungen 4–7 Jahre, um sich wirklich zu festigen. In Deutschland leben rund 1,1 Millionen Patchworkfamilien (Statistisches Bundesamt, 2024) — und in jeder davon stellt sich diese Frage. Hier erfährst du, wie ein respektvolles, ehrliches Miteinander gelingt.

Als Coach für Bonusmamas und selbst Stiefmutter in einer internationalen Patchworkfamilie kenne ich dieses Thema aus eigener Erfahrung und aus über 100 Coachings. Mal Hand aufs Herz: ich werde die Kinder meines Partners, meine Bonuskinder, nie lieben, als wären es meine eigenen. Doch ich hab sie sehr lieb und mir ist es wichtig eine gute Beziehung zu ihnen aufzubauen. Ich glaube, dass die Beziehung zwischen Bonusmama und den Bonuskindern von zentraler Bedeutung ist für eine harmonische Patchworkfamilie.

Doch wie kann dieser Beziehungsaufbau gelingen? Lass uns dies mal gemeinsam betrachten.


🎙 Passend dazu: Hör dir die Podcastfolge „Wie du eine starke Bindung zu deinem Bonuskind aufbaust“ an — auf Spotify oder überall, wo du Podcasts hörst.



Warum ist eine positive Beziehung so wichtig?

Eine positive Verbindung zwischen euch beiden schafft Vertrauen, Zugehörigkeit und Sicherheit. Sie ist das Fundament, auf dem eure Beziehung aufbauen kann.

Wenn Bonusmutter und Bonuskind eine liebevolle und respektvolle Bindung zueinander haben, wird dies nicht nur das Wohlbefinden des Kindes maßgeblich beeinflussen, sondern auch das gesamte Familiensystem stärken. Denn letztendlich geht es darum, dass sich alle Familienmitglieder respektiert, geliebt und wertgeschätzt fühlen. Das ist der Schlüssel zu einem harmonischen Patchworkfamilienleben.

Bonusmama und Bonuskind beim gemeinsamen Spielen — Vertrauen aufbauen


Wie machst du den Anfang?

1. Geduld und Zeit

Der Aufbau einer Beziehung braucht Zeit und Geduld. Lass deinem Bonuskind genügend Raum, um dich kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Wie gesagt, vielleicht kämpft es noch mit den neuen Rahmenbedingungen oder wünscht sich, dass die Eltern wieder zusammen kommen. Dieser Prozess braucht vor allem eins: Zeit. Erzwinge nichts und respektiere die individuellen Bedürfnisse und das Tempo deines Stiefkindes.

2. Gemeinsame Interessen entdecken

Suche nach gemeinsamen Interessen und Hobbys, die dir und deinem Herzenskind Freude bereiten. Gemeinsame Aktivitäten können eine wunderbare Möglichkeit sein, eine Verbindung herzustellen und gemeinsame Erinnerungen zu schaffen. Tut dies auch allein. So wichtig wie gemeinsame Zeit als Patchworkfamilie ist, so wichtig ist auch diese Zeit für euch. Ich gehe mit meinen Bonustöchtern gern einkaufen oder koche mit ihnen. Auch die Leidenschaft für Lego oder Puzzle haben uns schon viele schöne Momente beschert.

3. Offene Kommunikation

Schaffe einen offenen Raum für Kommunikation, in dem sich dein Stiefkind sicher fühlen kann, seine Gedanken, Gefühle und Anliegen auszudrücken. Höre aktiv zu, zeige Interesse und sei einfühlsam. Signalisiere: „Ich bin für dich da, ich interessiere mich wirklich für dich”. Mehr braucht es am Anfang nicht.

4. Respektiere die Rolle der leiblichen Eltern

Achte darauf, dass du die Rolle der leiblichen Eltern respektierst und dich nicht zwischen ihnen und deinem Bonuskind stellst. Zeige Verständnis für die Bindung zwischen deinem Stiefkind und seinen leiblichen Eltern und unterstütze diese Beziehung. Es geht ja gar nicht darum, dass du die komplette Verantwortung übernimmst oder jemanden ersetzen musst. Du bist einfach ein weiterer Bezugsmensch im Leben des Kindes.

5. Selbstfürsorge nicht vergessen

Vergiss nicht, auch für dich selbst zu sorgen. Nimm dir Zeit für dich, um deine eigenen Bedürfnisse zu erfüllen und dich um dein eigenes Wohlbefinden zu kümmern. Es ist ganz normal, dass wir Auszeiten brauchen und es anstrengend ist. Indem du gut für dich selbst sorgst, kannst du auch besser für dein Bonuskind da sein.

„Die Beziehung zum Bonuskind ist kein Sprint — sie ist ein Wanderweg. Manchmal steil, manchmal flach, aber mit jedem Schritt wächst das Vertrauen. Und du musst nicht die Mama ersetzen, um eine wichtige Person im Leben dieses Kindes zu sein.” — Sally Matthes, Coach für Bonusmamas


Verwandle Stolpersteine in Edelsteine

  • Ein häufiges Problem ist zum Beispiel das Gefühl des Bonuskindes, zwischen den leiblichen Eltern und der Stiefmutter hin- und hergerissen zu sein.

  • Eine mögliche Lösung könnte sein, dem Bonuskind Zeit und Raum zu geben, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Respektiere die bereits bestehende Bindung des Kindes zu seinen leiblichen Eltern und versuche nicht, diese zu ersetzen. Zeige Verständnis für die Loyalitätskonflikte, die das Bonuskind möglicherweise empfindet, und ermutige es, offen über seine Gefühle zu sprechen.

  • Ein weiteres Problem, dem du als Bonusmama begegnen könntest, ist die Unsicherheit darüber, wie du dich in die bereits bestehende Familie einbringen kannst, ohne dich aufzudrängen oder die Rolle der leiblichen Mutter zu übernehmen.

  • Hier ist es wichtig, dass du dich selbst reflektierst und deine Rolle als Bonusmama akzeptierst. Finde Balance zwischen Fürsorge und Respekt für die leiblichen Eltern und sei ein unterstützendes Mitglied der Patchworkfamilie.

  • Stell dir vor, dein Bonuskind hat Schwierigkeiten, dich als Stiefmutter anzuerkennen und fühlt sich von dir bedrängt. Es widerspricht dir und zeigt dir, dass du ihm/ihr nichts zu sagen hast. Die Konflikte sind alltäglich.

  • Anstatt dich verletzt zurückzuziehen, könntest du versuchen, gemeinsame Aktivitäten zu planen, bei denen das Bonuskind seine Interessen einbringen kann. Sage ihm: „Deine Reaktion verletzt mich. Gleichzeitig mag ich dich sehr gern und möchte Zeit mit dir verbringen. Wie können wir das gestalten?” Zeige Interesse an seinen Hobbys und lade es ein, etwas gemeinsam zu unternehmen. Auf diese Weise kannst du eine Verbindung aufbauen und das Vertrauen des Bonuskindes gewinnen.

Die Herausforderungen beim Beziehungsaufbau zu deinem Bonuskind sind vielfältig, doch es gibt immer Wege, diese zu überwinden. Mit Geduld, Einfühlungsvermögen und einer respektvollen Haltung kannst du dazu beitragen, eine liebevolle Beziehung zu deinem Bonuskind aufzubauen.

Bonusmama nimmt sich eine Auszeit mit einem Buch — Selbstfürsorge im Patchworkalltag


Was, wenn es zu viel wird?

Manchmal ist das Patchworkleben einfach unglaublich anstrengend. Selbstfürsorge und das Setzen von Grenzen sind für Bonusmütter essenziell, um sich selbst treu zu bleiben und dennoch eine enge Bindung zu ihren Stiefkindern aufzubauen. Es ist wichtig, dass du auf deine eigenen Bedürfnisse achtest und dir Zeit für dich selbst nimmst. Nur wenn du gut für dich selbst sorgst, kannst du auch für andere da sein.

Eine mögliche Lösung ist es, dir bewusst Auszeiten zu nehmen und Momente der Entspannung und Selbstreflexion zu schaffen. Das kann bedeuten, dass du regelmäßig Zeit für deine eigenen Hobbys und Interessen reservierst oder dich bewusst für kleine Auszeiten im Alltag entscheidest. Indem du dir selbst diese Zeit zugestehst, kannst du dich regenerieren und deine eigene Energiequelle auftanken.

Gleichzeitig ist es wichtig, dass du deine eigenen Grenzen klar kommunizierst und diese auch respektiert werden. Das bedeutet, dass du dich nicht übermäßig verbiegst oder dich selbst aufopferst, um es allen recht zu machen. Es ist in Ordnung, auch mal „Nein” zu sagen, wenn du merkst, dass deine eigenen Grenzen überschritten werden.

Stell dir vor, du merkst, dass du dich zunehmend gestresst fühlst, weil du ständig für alle da sein möchtest und dich selbst vernachlässigst. Anstatt dich weiterhin zu überfordern, könntest du dir bewusst Auszeiten in deinem Alltag schaffen. Das könnte bedeuten, dass du regelmäßig Sport treibst, ein Buch liest oder dich mit Freunden triffst. Indem du dir diese Zeit nimmst, kannst du dich wieder mit dir selbst verbinden und deine eigene Balance finden. Ich plane mir bewusst diese Zeiten ein, wenn die Kinder bei uns sind – weil ich weiß, dass es mir guttut und mich erdet.

Selbstfürsorge und das Setzen von Grenzen sind kein Egoismus, sondern eine Voraussetzung dafür, dass du als Bonusmama eine gesunde und erfüllende Beziehung zu deinen Stiefkindern aufbauen kannst. Indem du auf dich selbst achtest und deine eigenen Bedürfnisse respektierst, kannst du authentisch und liebevoll in der Patchworkfamilie agieren.

Patricia Papernow (2013) betont, dass die Beziehung zum Stiefkind eines der empfindlichsten Elemente in einer Patchworkfamilie ist — und gleichzeitig eines der lohnendsten, wenn sie mit Respekt und Geduld aufgebaut wird.


Zusammenfassung

Der Beziehungsaufbau zum Bonuskind braucht vor allem eines: Zeit, Geduld und echtes Interesse. Mit den fünf Schritten — von Geduld über gemeinsame Aktivitäten bis hin zu offener Kommunikation — legst du ein starkes Fundament für eure Bindung. Gleichzeitig darfst du nicht vergessen, auf dich selbst zu achten: Selbstfürsorge und klare Grenzen sind kein Egoismus, sondern die Basis dafür, dass du authentisch und liebevoll für dein Bonuskind da sein kannst. Dennoch kann es zu Konflikten und Herausforderungen kommen, denen du dann mit viel Verständnis und Selbstfürsorge entgegentreten kannst.

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