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Rolle & Identität

Unterhalt in Patchworkfamilien: So sicherst du dich ab!

Von Sally Matthes · 18. April 2025 · Aktualisiert: 10. März 2026
Unterhalt in Patchworkfamilien

Unterhalt ist in Patchworkfamilien ein Dauerthema — und als Bonusmama bist du finanziell oft stärker betroffen, als du denkst. In Deutschland leben rund 1,1 Millionen Patchworkfamilien (Statistisches Bundesamt, 2024), und in vielen davon bestimmen Unterhaltszahlungen maßgeblich den finanziellen Spielraum. Wenn ein großer Teil des Familieneinkommens an Unterhaltszahlungen geht, bleibt für euch als Paar wenig übrig. Hier erfährst du, wie du dich als Bonusmama in einer Patchworkfamilie finanziell absicherst.

Warum bleibt bei euch als Paar so wenig übrig – obwohl dein Partner so viel zahlt?

Kennst du das? Monat für Monat überweist dein Partner Unterhalt, das Kindergeld fließt zur Ex, und irgendwie bleibt für euch als Paar immer zu wenig übrig. Während andere Patchwork-Familien scheinbar finanziell gut zurechtkommen, fühlt es sich für euch an, als würdet ihr kaum vorankommen.


Das betrifft mich doch nicht!?

Bis dahin dachte ich: „Er zahlt eben Unterhalt – das ist seine Sache, nicht meine.”

Doch dann wurde mir bewusst:

  • Es ging nicht nur um Unterhalt.
  • Es ging nicht nur um Kindergeld.
  • Es ging um unseren gesamten finanziellen Spielraum als Paar.

Denn das Land, in dem wir lebten, hatte einen riesigen Einfluss darauf, wie viel finanzielle Verantwortung mein Partner übernehmen musste – und damit auch darauf, wie viel für unser gemeinsames Leben übrig blieb.

Hast du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie das Land, in dem du lebst, deine finanzielle Situation als Bonusmama beeinflusst?

Lass uns jetzt einen Blick auf die Unterschiede in Deutschland, Österreich und der Schweiz werfen.

Unterhalt in Patchworkfamilien — Stimmungsbild

„Finanzen in der Patchworkfamilie sind kein Tabuthema — sie sind das Fundament für alles andere. Wer darüber schweigt, riskiert nicht nur die Beziehung, sondern auch die eigene finanzielle Sicherheit.” — Sally Matthes, Coach für Bonusmamas


Deutschland, Österreich, Schweiz – wer bekommt was?

Deutschland: Düsseldorfer Tabelle und einheitliches Kindergeld

Kindesunterhalt: Wird nach der Düsseldorfer Tabelle berechnet, abhängig vom Einkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils und vom Alter des Kindes. Seit Januar 2025 wurde der Unterhalt um 2 bis 8 € pro Monat erhöht.

Kindergeld: Einheitlich 250 € pro Monat und Kind – unabhängig vom Einkommen. Ein Tipp: Das Kindergeld auf ein separates Konto einzahlen lassen, auf das beide Elternteile Zugriff haben – das erleichtert die faire Kostenverteilung.

Steuerliche Aspekte: Unterhaltszahlungen an Ex-Partner können als Sonderausgaben abgesetzt werden. Wichtig zu wissen: Unterhaltspflicht hat Vorrang vor neuen Partnerschaften! Dein Partner muss also erst seine Verpflichtungen erfüllen, bevor er euer gemeinsames Leben finanziell mittragen kann.

Österreich: Familienbeihilfe und individuelle Unterhaltsverhandlungen

Familienbeihilfe (statt Kindergeld): 121 € für Kinder unter 3 Jahren, steigt bis auf 175 € ab 19 Jahren. Geschwisterstaffelung bedeutet: mehr Kinder = höherer Betrag pro Kind.

Kindesunterhalt: Kein festes System wie in Deutschland. Die Richtwerte liegen bei 16 % des Nettoeinkommens für Kinder bis 6 Jahre und 22 % für Kinder ab 15 Jahren. Die sogenannte „Luxusgrenze” begrenzt den Unterhalt auf maximal das Zweieinhalbfache des Regelbedarfs.

Steuerliche Aspekte: Der Familienbonus Plus bringt bis zu 1.500 € Steuerentlastung pro Jahr und Kind. Bonuseltern profitieren allerdings kaum steuerlich – die Vorteile gelten hauptsächlich für leibliche Eltern.

Schweiz: Hohe Unterhaltszahlungen, aber auch mehr Rechte für Väter

Kinderzulagen (statt Kindergeld): Je nach Kanton zwischen 200 und 300 CHF pro Monat.

Unterhalt: Höher als in Deutschland oder Österreich, weil die Lebenshaltungskosten berücksichtigt werden. Das Co-Parenting-Modell sorgt dafür, dass sich beide Elternteile die Betreuung gleichberechtigt teilen – dadurch mehr Rechte für Väter, aber oft auch höhere finanzielle Verpflichtungen.

Steuerliche Aspekte: Ehepaare werden gemeinsam besteuert, was oft zu einer höheren Steuerlast führt. Unverheiratete Patchworkfamilien haben häufig steuerliche Nachteile gegenüber traditionellen Familien.

Unterhalt in Patchworkfamilien — Stimmungsbild


Warum du dich finanziell oft benachteiligt fühlst

  • Fehlender finanzieller Spielraum – Monat für Monat geht ein großer Teil des Einkommens an die Ex oder für die Kinder, während du dich fragst, warum für euch als Paar kaum etwas übrig bleibt.
  • Unklare Kostenverteilung – Wer zahlt eigentlich was? Manche Bonusmamas fühlen sich unfair belastet, weil sie sich an Haushaltskosten beteiligen, während ihr Partner noch hohe Unterhaltszahlungen leistet.
  • Angst vor Konflikten – Viele Bonuseltern vermeiden Finanzgespräche, weil sie befürchten, es könnte Streit geben. Doch genau dieses Schweigen führt oft zu Missverständnissen und Frust.
  • Das Gefühl, zurückzustecken – Vielleicht hast du das Gefühl, dass dein Leben von Verpflichtungen bestimmt wird, die du gar nicht selbst eingegangen bist – und dass deine eigenen Wünsche hintenanstehen.

Aber: Du hast das Recht, deine finanzielle Situation aktiv mitzugestalten!


Wie du als Bonusmama finanzielle Sicherheit gewinnst

Der erste und wichtigste Schritt ist, Klarheit über die aktuelle finanzielle Situation zu bekommen. Es reicht nicht aus zu wissen, dass dein Partner Unterhalt zahlt – du musst verstehen, wie diese Zahlungen eure gemeinsamen Finanzen beeinflussen. Setzt euch zusammen und macht eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wie hoch sind die monatlichen Fixkosten? Welche Summen gehen für Unterhalt und andere Verpflichtungen weg? Wie wird das verbleibende Einkommen zwischen euch aufgeteilt? Viele Patchworkpaare haben hier keine klare Übersicht und leben von Monat zu Monat, ohne zu wissen, wo das Geld eigentlich bleibt. Doch ohne eine solide Grundlage lassen sich keine fairen Lösungen finden.

Sobald ihr diese Klarheit geschaffen habt, geht es darum, neue Lösungen zu entwickeln, die für euch beide funktionieren. Viele Paare machen den Fehler, einfach alles „halbe-halbe” zu teilen – doch wenn einer von euch hohe Unterhaltsverpflichtungen hat, kann das schnell unfair werden. Vielleicht verdient dein Partner mehr als du, hat aber durch den Unterhalt kaum Spielraum. Vielleicht bist du es, die die alltäglichen Kosten für Essen, Freizeitaktivitäten oder kleinere Anschaffungen deckt, während sein Gehalt zum großen Teil direkt weitergeleitet wird. Um eine faire Balance zu finden, solltet ihr eine individuelle Aufteilung wählen, die euer Einkommen, eure Ausgaben und eure jeweiligen finanziellen Verpflichtungen berücksichtigt. Vielleicht macht ein gemeinsames Haushaltskonto Sinn, auf das ihr beide anteilig einzahlt. Vielleicht braucht ihr eine neue Regelung, wer welche Kosten übernimmt, damit ihr beide finanziell atmen könnt.

Doch all diese Veränderungen sind nur möglich, wenn ihr offen und verbindend miteinander kommuniziert. Geld ist ein hoch emotionales Thema – vor allem in Patchworkfamilien, wo oft noch Ex-Partner:innen und Kinder involviert sind. Vielleicht hast du Angst, als „fordernd” zu wirken, wenn du das Thema ansprichst. Vielleicht fürchtet dein Partner, dass du seine Verantwortung gegenüber seinen Kindern nicht akzeptierst. Doch je länger ihr vermeidet, darüber zu sprechen, desto größer wird der Frust. Es geht nicht darum, Vorwürfe zu machen, sondern gemeinsame Lösungen zu finden. Sag deinem Partner nicht: „Du zahlst so viel Unterhalt, dass für uns nichts übrig bleibt.” Sag stattdessen: „Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam überlegen, wie wir trotz der Verpflichtungen auch unser eigenes Leben gut finanzieren können.”

Der Schlüssel zu finanzieller Sicherheit in der Patchworkfamilie ist nicht, sich anzupassen oder zu verzichten – sondern bewusst zu entscheiden, wie ihr eure Finanzen gemeinsam gestalten wollt. Je klarer ihr euch über eure Situation seid und je offener ihr darüber sprecht, desto weniger Konflikte und Unsicherheiten wird es geben.

Wenn du jetzt denkst: „Das klingt gut, aber wie setze ich das in meiner speziellen Situation um?” – dann bist du nicht allein. Jede Patchworkfamilie hat ihre eigenen finanziellen Herausforderungen.

Mehr über die Stiefmutter-Rolle und typische Herausforderungen findest du im Überblicksartikel.


Zusammenfassung

Unterhalt, Kindergeld und Steuern sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz sehr unterschiedlich geregelt – und diese Unterschiede beeinflussen direkt, wie viel für euch als Paar übrig bleibt. Als Bonusmama hast du das Recht, eure finanzielle Situation aktiv mitzugestalten. Der wichtigste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme eurer Finanzen, eine faire Kostenverteilung und offene Kommunikation mit deinem Partner. Finanzielle Sicherheit in der Patchworkfamilie entsteht nicht durch Verzicht, sondern durch bewusste gemeinsame Entscheidungen.

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