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Die Ex & das System

Konflikte mit der leiblichen Mutter

Von Sally Matthes · 4. Dezember 2023 · Aktualisiert: 7. März 2026
Bonusmama und leibliche Mutter im Gespräch über Erziehung

Das Verhältnis zwischen Bonusmama und leiblicher Mutter bestimmt maßgeblich, wie friedlich der Patchwork-Alltag für alle Beteiligten verläuft. Ein respektvolles Miteinander ist möglich — auch wenn ihr nicht beste Freundinnen werdet. Hier erfährst du, wie der erste Schritt gelingt.

„Das hat sie jetzt nicht wirklich getan!”, rief Bonusmama Laura, als ihr Partner ihr erzählte, dass die leibliche Mutter Sabine das gemeinsame Kind zum Fußballcamp angemeldet hat. Ausgerechnet in der Zeit, in der Laura und Paul schon Urlaub mit dem Kind geplant hatten.

Eine Situation, die es so in vielen Patchworkfamilien gibt. Das Leben in einer Patchworkfamilie kann eine bereichernde Erfahrung sein, voller Liebe, Lernen und Wachstum. Es ist jedoch auch komplex und birgt eigene Herausforderungen – insbesondere, wenn es um das Verhältnis zwischen Bonusmama und leiblicher Mutter geht. Oftmals ist dieses Verhältnis von Missverständnissen, Konflikten und Unsicherheiten geprägt.

Als Bonusmama kann man sich manchmal wie eine Drahtseilartistin fühlen, die versucht, den Balanceakt zwischen Respekt für die leibliche Mutter und dem Wunsch, eine authentische Beziehung zu den Kindern aufzubauen, zu meistern.

In diesem Blogartikel möchte ich einen Blick auf diese weit verbreitete Herausforderung werfen.

Egal, ob du selbst eine Bonusmama bist, eine leibliche Mutter in einer Patchworkfamilie oder einfach nur jemand, der mehr über diese Familienkonstellationen erfahren möchte – ich lade dich ein, mit mir auf diese Reise der Erkenntnis zu gehen.


🎙 Passend dazu: Hör dir die Podcastfolge „Von der Ex zur besten Freundin? Wie ihr besser miteinander auskommt“ an — auf Spotify oder überall, wo du Podcasts hörst.


Die Herausforderung verstehen

Oftmals basieren diese Konflikte auf Ängsten und Unsicherheiten, die in der neuen, ungewohnten Situation entstehen. Die leibliche Mutter könnte Sorgen haben, dass sie durch die neue Frau im Leben ihrer Kinder ersetzt wird. Gerade wenn der Mann die Kindsmutter verlassen hat, ist das eine Angst, die häufig mitschwingt.

Die Bonusmama könnte sich unsicher fühlen, wie sie sich in das bestehende Familiengefüge einfügen soll, ohne Grenzen zu überschreiten.

Diese Konflikte sind nicht nur belastend für die Beziehung zwischen der Bonusmama und der leiblichen Mutter, sondern können auch Auswirkungen auf die gesamte Familienstruktur haben und insbesondere für die Kinder stressig sein. Immer wieder höre ich, dass die leibliche Mutter die neue Partnerin des Vaters schlecht redet. Daher ist es wichtig, diese Herausforderungen anzugehen und Wege zu finden, um ein harmonisches Miteinander zu fördern.

Im nächsten Abschnitt werden wir uns die Ursachen dieser Konflikte genauer ansehen, um besser zu verstehen, wie sie entstehen und wie sie gelöst werden können.

Zwei Frauen führen ein offenes Gespräch an einem Tisch

Ursachen für Konflikte

  1. Unterschiedliche Erziehungsstile: Jeder Mensch hat seine eigene Art, Kinder zu erziehen, und manchmal können diese Stile stark voneinander abweichen. Wenn die Bonusmama und die leibliche Mutter unterschiedliche Ansichten darüber haben, was das Beste für die Kinder ist, kann dies zu Konflikten führen.
  2. Eifersucht: Die leibliche Mutter kann sich bedroht fühlen, wenn die Kinder eine enge Beziehung zur Bonusmama aufbauen. Sie könnte befürchten, dass sie durch die neue Frau im Leben ihrer Kinder ersetzt wird. Ebenso könnte die Bonusmama eifersüchtig auf die bestehende Bindung zwischen den Kindern und ihrer leiblichen Mutter sein.
  3. Kommunikationsprobleme: Mangelnde Kommunikation oder Missverständnisse können zu Konflikten führen. Es ist wichtig, dass beide Parteien offen und ehrlich miteinander kommunizieren und ihre Gefühle und Erwartungen klar ausdrücken.
  4. Unsicherheiten und Rollenkonflikte: Die Bonusmama kann sich unsicher fühlen, wie sie sich in das bestehende Familiengefüge einfügen soll, ohne Grenzen zu überschreiten. Sie könnte Schwierigkeiten haben, ihre Rolle in der Familie zu definieren und zu verstehen.

Indem wir diese Ursachen erkennen und verstehen, können wir beginnen, effektive Strategien zur Lösung dieser Konflikte zu entwickeln. Im nächsten Abschnitt werden wir durch die systemische Brille schauen, um ein tieferes Verständnis für die Dynamik in Patchworkfamilien zu erlangen.

Durch die systemische Brille schauen

In diesem Kontext ist es wichtig zu erkennen, dass die Beziehung zwischen der Bonusmama und der leiblichen Mutter nicht isoliert betrachtet werden kann. Sie ist Teil eines größeren Systems, das auch die Beziehungen zwischen den Kindern, dem Vater und anderen Familienmitgliedern umfasst.

Ein wichtiges Konzept der systemischen Theorie ist das der „Loyalitäten”. Kinder fühlen oft eine starke Loyalität gegenüber ihren leiblichen Eltern und können sich schuldig fühlen, wenn sie eine positive Beziehung zur Bonusmama aufbauen. In solchen Fällen spielen Loyalitätskonflikte von Bonuskindern eine zentrale Rolle.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Verständnis, dass Konflikte oft Symptome tiefer liegender Probleme sind. Beispielsweise kann ein Streit über Erziehungsstile tatsächlich auf grundlegende Ängste und Unsicherheiten zurückzuführen sein.

Durch den systemischen Ansatz können wir besser verstehen, warum Konflikte entstehen und wie sie sich auf die gesamte Familie auswirken. Dieses Verständnis ist ein erster Schritt hin zu effektiven Strategien zur Konfliktlösung.

Warum Kindsmütter sich bedroht fühlen können – und was Bonusmamas tun können

  • Zeige Verständnis und Einfühlungsvermögen für ihre Situation und Gefühle.
  • Kommuniziere offen und respektvoll mit der Kindsmutter über Erziehungsfragen und sucht nach Kompromissen.
  • Betone, dass du ihre Rolle als Mutter respektierst und sie nicht ersetzen möchtest.

Mutter und Bonusmama reichen sich die Hand zum gemeinsamen Gespräch

Tipps zur Verbesserung des Verhältnisses

Hier sind einige Tipps, die helfen können:

  • Verbesserung der Kommunikation: Offene und ehrliche Kommunikation ist der Schlüssel zur Lösung der meisten Konflikte. Sprecht regelmäßig miteinander und versucht euch gegenseitig zu verstehen. Es kann hilfreich sein, einen neutralen Dritten einzubeziehen, wie zum Beispiel einen Mediator oder Therapeuten.
  • Respekt für die Rolle der jeweils anderen: Erkennt die wichtige Rolle an, die sowohl die leibliche Mutter als auch die Bonusmama im Leben der Kinder spielen. Jede hat ihre eigene, einzigartige Beziehung zu den Kindern und diese Beziehungen sollten respektiert und geehrt werden.
  • Suche nach gemeinsamem Boden: Konzentriert euch auf das, was ihr gemeinsam habt – vor allem die Liebe und Sorge für die Kinder. Es mag Unterschiede in Erziehungsstilen und Ansichten geben, aber am Ende des Tages wollen alle das Beste für die Kinder.
  • Grenzen setzen: Es ist wichtig, klare Grenzen zu setzen und die Rollen und Verantwortlichkeiten jeder Partei zu definieren. Dies kann helfen, Missverständnisse und Konflikte zu vermeiden.
  • Unterstützung suchen: Es kann hilfreich sein, Unterstützung von außen zu suchen, zum Beispiel von einem Coach, Therapeuten oder einer Selbsthilfegruppe. Diese können wertvolle Ratschläge und Perspektiven bieten und dir helfen, effektive Strategien zur Konfliktlösung zu entwickeln.

Zusammenfassung

Ein systemischer Ansatz zur Betrachtung dieser Konflikte kann helfen, die zugrundeliegenden Dynamiken zu verstehen und effektive Lösungsstrategien zu entwickeln.

Offene Kommunikation, Respekt für die Rolle des anderen, Suche nach gemeinsamem Boden, klare Grenzen und die Suche nach Unterstützung sind wichtige Elemente für die Verbesserung des Verhältnisses zwischen Bonusmama und leiblicher Mutter.

Mit Geduld und Einsatz kann es möglich sein, ein harmonisches Miteinander zu schaffen, das allen Familienmitgliedern zugutekommt, insbesondere den Kindern. Erinnere dich daran, dass Veränderungen Zeit brauchen und Geduld der Schlüssel ist. Aber mit jedem kleinen Schritt kommst du einer harmonischeren und liebevolleren Familie näher.

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