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Rolle & Identität

Als Bonusmama hinter dem Bonuskind ewig in der zweiten Reihe?!

Von Sally Matthes · 9. Februar 2024 · Aktualisiert: 7. März 2026
Als Bonusmama hinter dem Bonuskind ewig in der zweiten Reihe?!

Das Gefühl, als Bonusmama immer hinter dem Bonuskind zurückstehen zu müssen, ist eine der schmerzhaftesten Erfahrungen in der Patchworkfamilie. Wenn dein Partner die Bedürfnisse seiner Kinder konsequent über eure Beziehung stellt — oder sich ein Mini-Wife-Muster entwickelt — bleibst du in der zweiten Reihe — und das nagt am Selbstwert. Als systemischer Coach und selbst Bonusmama kenne ich dieses Gefühl. Hier erfährst du, warum das passiert und wie du da wieder rauskommst.

Laut Patricia Papernow (2013) ist die „Insider-Outsider”-Dynamik das zentrale Strukturproblem in Patchworkfamilien: Der leibliche Elternteil und sein Kind bilden eine emotionale Einheit, die vor der neuen Beziehung existierte. Studien zeigen, dass über 60 % der Stiefmütter in den ersten Jahren das Gefühl haben, in der Beziehung an zweiter Stelle zu stehen — nach den Kindern, nach der Ex, nach dem schlechten Gewissen (Bray & Kelly, 1998). In Deutschland betrifft das rund 1,1 Millionen Patchworkfamilien (Statistisches Bundesamt, 2024).

„Die zweite Reihe ist kein Schicksal. Sie ist ein Muster — und Muster können verändert werden, wenn man weiß, wie.” — Sally Matthes, Coach für Bonusmamas

Es gibt Momente, da habe ich als Bonusmama das Gefühl immer in zweiter Reihe zu stehen. Die oberste Priorität meines Partners werden immer seine Kinder sein.

Und auch wenn es diesen Part in mir gibt, der das verstehen kann, so gibt es doch auch den Anteil, der dadurch verletzt ist. Diesen Anteil, der unglaublich enttäuscht ist, niemals die höchste Priorität zu sein. Und dann werde ich manchmal wirklich wütend darüber und wünsche mir so sehr, dass wir gemeinsam diese Erfahrung hätten machen können.

Und gleichzeitig weiß ich, dass man das eine nicht mit dem anderen vergleichen kann. Dass seine Liebe zu den Kindern etwas völlig anderes ist, als die romantische Liebe zu mir. Und dass ich auf dieser Ebene die absolute Nummer eins bin. Und auch wenn ich das logisch verstehen kann, so geht das Gefühl doch nicht ganz weg. Also, wie kann man damit umgehen?

Frau sitzt nachdenklich am Fenster und blickt nach draußen

Aus dem Schatten heraus treten

  • Ein erster Schritt ist, mit deinem Partner über deine Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen. Offene Kommunikation ist der Schlüssel zu einer starken Beziehung. Teile ihm mit, wie du dich fühlst und was du dir wünschst. Oft hilft es schon darüber zu sprechen und das Gefühl einfach nur anzunehmen und ihm Raum zu geben.
  • Aber auch Selbstfürsorge ist von großer Bedeutung. Nimm dir Zeit für dich selbst und pflege deine eigenen Interessen und Hobbys. Sorge dafür, dass du dich gut fühlst und dir selbst genug Aufmerksamkeit schenkst. Denn nur wenn du für dich selbst sorgst, kannst du auch für andere da sein.
  • Eine weitere Möglichkeit, deine eigene Priorität zu stärken, ist es, dich bewusst mit dem Kind deines Partners zu verbinden. Finde gemeinsame Aktivitäten, die euch verbinden und eure Beziehung stärken. Sei interessiert an seinem Leben und zeige ihm, dass er für dich wichtig ist. Indem du eine starke Verbindung zu seinem Kind aufbaust, wirst du nicht nur als Bonusmama, sondern auch als eine wichtige Person in seinem Leben wahrgenommen.
  • Es ist auch wichtig, realistische Erwartungen zu haben. Eine Patchworkfamilie ist eine komplexe Konstellation und es braucht Zeit, um Harmonie und Balance zu finden. Sei geduldig mit dir selbst und mit den anderen Familienmitgliedern. Es wird Höhen und Tiefen geben, aber solange du deine Gefühle nicht versteckst und offen für Veränderungen bist, kannst du das Gefühl, in der zweiten Reihe zu stehen, überwinden.

Denke daran, du bist wertvoll und wichtig. Du hast das Recht, dich geliebt und anerkannt zu fühlen. Indem du deine eigene Priorität stärkst, kannst du dazu beitragen, eine harmonische Beziehung in deiner Patchworkfamilie aufzubauen. Wie das gelingt, erfährst du im nächsten Abschnitt.

Die größte Anerkennung, die sich jemand geben kann, ist die, sich selbst zu akzeptieren. – Buddha

Paar sitzt gemeinsam auf dem Sofa und führt ein offenes Gespräch

Mach dich selbst zur Priorität

Wir suchen nach Bestätigung von unserem Partner, den Kindern oder sogar der Ex-Frau. Doch die Wahrheit ist, dass wir uns diese Anerkennung zuerst selbst geben können und müssen. Es beginnt damit, dass wir uns selbst wertschätzen und anerkennen, wer wir sind und welchen Wert wir in die Patchworkfamilie bringen.

Indem wir uns selbst lieben und uns selbst wichtig nehmen, schaffen wir die Grundlage für eine gesunde Beziehung zu anderen. Denn nur wenn wir uns selbst anerkennen und wertschätzen, können wir auch von anderen Menschen in unserer Umgebung Anerkennung und Wertschätzung erhalten.

Also fang an, dir selbst diese Wertschätzung zu geben, die du verdienst, und beobachte, wie sich deine Beziehungen zu anderen Menschen, einschließlich deiner Patchworkfamilie, positiv verändern.

Frau lächelt selbstbewusst in den Spiegel als Zeichen der Selbstfürsorge

Du bist wichtig!

Indem du dir selbst Anerkennung und Wertschätzung gibst, stärkst du dein Selbstwertgefühl und deine innere Stärke als Stiefmutter. Du wirst feststellen, dass du in der Lage bist, eine erfüllende Beziehung zur Patchworkfamilie aufzubauen, ohne dich selbst dabei zu vernachlässigen. Und dass das Gefühl, in zweiter Reihe zu stehen, in den Hintergrund rückt.

Zusammenfassung

Oftmals suchen wir Anerkennung und Wertschätzung von anderen, doch wir sollten uns diese zuerst selbst geben. Indem wir uns selbst wertschätzen, uns Zeit für uns selbst nehmen und uns mitfühlend behandeln, stärken wir unser Selbstwertgefühl als Stiefmutter. Zudem ist es wichtig, ein Netzwerk von Unterstützung aufzubauen, um sich mit anderen Stiefmüttern auszutauschen und gegenseitig zu stärken.

Indem wir uns selbst Anerkennung und Wertschätzung geben, schaffen wir die Grundlage für ein harmonisches Patchworkfamilienleben. Und dann ist auch das Gefühl in zweiter Reihe zu stehen nicht mehr so groß.

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Häufige Fragen

Ist es normal, sich als Bonusmama in der zweiten Reihe zu fühlen?

Ja, dieses Gefühl kennen viele Bonusmamas. Die Kinder des Partners haben oft die höchste Priorität, und das kann sich für die neue Partnerin verletzend anfühlen. Es hilft zu wissen, dass du damit nicht allein bist und dass dieses Gefühl nicht bedeutet, dass du weniger geliebt wirst.

Was kann ich tun, wenn ich mich als Stiefmutter unsichtbar fühle?

Sprich offen mit deinem Partner über deine Gefühle. Gleichzeitig ist es wichtig, dein Selbstwertgefühl unabhängig von äußerer Bestätigung zu stärken. Investiere in dich selbst, pflege deine Interessen und setze dir bewusst eigene Prioritäten.

Wie stärke ich mein Selbstwertgefühl in der Patchworkfamilie?

Beginne damit, dir selbst Anerkennung zu geben, anstatt sie nur von außen zu erwarten. Nimm dir regelmäßig Zeit für dich, tausche dich mit anderen Bonusmamas aus und erinnere dich daran, welchen Wert du in die Familie einbringst.