Das Gefühl des Scheiterns als Bonusmama
Das Gefühl, als Bonusmama gescheitert zu sein, kennen mehr Frauen, als du vielleicht denkst — besonders wenn eine Trennung im Raum steht. Scheitern in der Patchworkfamilie ist kein persönliches Versagen, sondern oft das Ergebnis einer Konstellation, die von Anfang an zu wenig Unterstützung hatte.
Eine meiner Coachees hatte sich nach langem Ringen von ihrem Partner und somit ihrer Patchworkfamilie getrennt. Natürlich ist das nicht das Ergebnis, welches wir angestrebt haben, aber es gehört eben auch zum Leben dazu. Manchmal ist es sinnvoller, sich zu trennen, anstatt unglücklich zu bleiben.
Und in den Momenten dieser Trennung kam bei ihr immer wieder der Gedanke auf: „Ich bin gescheitert. Ich habe es nicht geschafft. Ich bin nicht gut genug. Ich habe versagt.”
Die Forschung von Bray und Kelly zeigt, dass über 60 % der Zweitehen mit Kindern scheitern — und viele Bonusmamas tragen das Gefühl des persönlichen Versagens mit sich, obwohl die Gründe systemisch sind. Laut dem Statistischen Bundesamt lebt jede siebte Familie in Deutschland als Patchworkfamilie, doch die Unterstützungsstrukturen für diese Familienform fehlen fast überall.
Sally Matthes, Coach für Bonusmamas: „Scheitern in der Patchworkfamilie ist fast nie ein individuelles Versagen. Es ist das Ergebnis einer Konstellation, für die es kein Drehbuch gibt. In meinen Coachings arbeite ich mit Frauen, die alles gegeben haben — und trotzdem das Gefühl haben, es war nicht genug. Aber weißt du was? Manchmal ist Gehen kein Scheitern, sondern Selbstschutz.”
Dann ist es einfach da: diese Enttäuschung darüber, etwas nicht geschafft zu haben — dass die Bonustochter sich über das Geburtstagsgeschenk freut, der Ex-Frau zugelächelt wird oder die Paarzeit harmonisch ist. Wie kommst du dann aus dem Gefühl des Scheiterns wieder raus?

🎙 Passend dazu: Hör dir die Podcastfolge „Bleiben oder gehen als Bonusmama” an — auf Spotify oder überall, wo du Podcasts hörst.
Ursachen für das Gefühl des Scheiterns als Bonusmama
Ein weiterer Faktor ist der Vergleich mit anderen. In einer Welt, die von sozialen Medien dominiert wird, sehen wir ständig Bilder von scheinbar perfekten Familien. Diese idealisierten Darstellungen können den Eindruck erwecken, dass es bei anderen mühelos funktioniert, während du selbst kämpfst. Was du jedoch nicht siehst, sind die Herausforderungen und Konflikte, die auch diese Familien durchleben. Der ständige Vergleich führt zu einem verzerrten Selbstbild und verstärkt das Gefühl des Versagens.
Selbstzweifel tragen ebenfalls erheblich zu diesem Gefühl bei. Als Bonusmama fragst du dich vielleicht, ob du jemals wirklich Teil der Familie sein wirst oder ob die Kinder und dein Partner dich vollständig akzeptieren. Diese Unsicherheiten können besonders stark sein, wenn die Kinder eine enge Bindung zu ihrer leiblichen Mutter haben oder wenn es Spannungen zwischen dir und der Ex-Partnerin deines Lebensgefährten gibt. Solche Situationen können dazu führen, dass du dich als Außenseiterin fühlst und an deinem Platz in der Familie zweifelst.
Zusätzlich kann die fehlende gesellschaftliche Anerkennung und Unterstützung für die Rolle der Bonusmama das Gefühl des Scheiterns verstärken. Während es viele Ressourcen und Ratgeber für biologische Eltern gibt, sind spezifische Hilfen für Bonuseltern oft rar. Diese Lücke kann dich isoliert und unverstanden fühlen lassen.
Schließlich spielen auch die Dynamiken innerhalb der Patchworkfamilie eine große Rolle. Unterschiedliche Erziehungsstile, Konflikte zwischen den Kindern und Loyalitätskonflikte können das Familienleben kompliziert machen. Als Bonusmama steckst du oft zwischen den Fronten und versuchst, Harmonie und Einheit herzustellen. Diese Aufgabe ist emotional belastend und kann das Gefühl hervorrufen, dass du nicht genug tust oder versagst, wenn die Dinge nicht reibungslos laufen.
Wie kannst du damit umgehen?
Umgang mit Selbstzweifeln
- Achtsamkeit und Selbstmitgefühl praktizieren. Nimm dir regelmäßig Zeit, um innezuhalten und deine Gefühle ohne Urteil zu beobachten. Erkenne deine Emotionen an, ohne sie zu unterdrücken oder zu verdrängen. Selbstmitgefühl bedeutet auch, sich selbst mit der gleichen Freundlichkeit und Fürsorge zu begegnen, die du einem guten Freund entgegenbringen würdest.
- Positive Selbstgespräche sind ein weiteres mächtiges Werkzeug gegen Selbstzweifel. Negative Gedanken wie „Ich bin nicht gut genug” können durch bewusst positive Affirmationen ersetzt werden. Sag dir selbst regelmäßig, dass du wertvoll bist und dass deine Bemühungen zählen, auch wenn sie vielleicht nicht sofort perfekte Ergebnisse zeigen. Affirmationen wie „Ich gebe mein Bestes und das ist genug” können dein Selbstbild erheblich verbessern.
- Realistische Ziele setzen und kleine Erfolge feiern. Statt zu erwarten, dass sofort alles harmonisch und perfekt läuft, erkenne die Fortschritte an, die du machst. Jeder positive Moment, jedes Lächeln und jede gelungene Interaktion ist ein Schritt in die richtige Richtung.
- Unterstützung suchen und annehmen. Sprich offen mit deinem Partner über deine Gefühle und Unsicherheiten. Ein verständnisvoller und unterstützender Partner kann eine große Hilfe sein. Auch der Austausch mit anderen Bonusmamas oder das Aufsuchen einer Therapie kann dir helfen, neue Perspektiven zu gewinnen und dich weniger allein zu fühlen.
Indem du diese Strategien anwendest, kannst du lernen, deine Selbstzweifel zu managen und dein Selbstwertgefühl zu stärken. Es ist ein fortlaufender Prozess, aber mit Geduld und Selbstfürsorge wirst du feststellen, dass du weit mehr bewirken kannst, als du dir selbst zutraust.
Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit. – Søren Kierkegaard

Der Vergleich mit anderen Familien
Anstatt dich entmutigen zu lassen, schaffe deine eigenen wertvollen Familienrituale. Denk daran, wie besonders die Abende sind, an denen ihr gemeinsam lacht, selbst wenn das Essen mal nicht perfekt gelingt. Vielleicht könnt ihr einen wöchentlichen Spieleabend einführen, bei dem es nur um Spaß und das Zusammensein geht — ganz ohne Druck.
Fokussiere dich auf die kleinen, aber bedeutenden Erfolge in deinem Familienleben. Führt ein „Familien-Erfolgsbuch”, in das ihr gemeinsam schöne Momente und kleine Siege eintragt. Stell dir vor, wie ihr zusammen auf der Couch sitzt und die Einträge durchlest, euch an die Geschichten erinnert und dabei merkt, wie viel ihr schon gemeinsam erreicht habt.
Suche Kontakt zu anderen Bonusmamas, die ähnliche Erfahrungen machen. Der Austausch in lokalen Gruppen oder Online-Communities kann ein echter Rettungsanker sein. Stell dir vor, wie erleichternd es ist, mit jemandem sprechen zu können, der wirklich versteht, was du durchmachst. Ihr könnt euch gegenseitig inspirieren und unterstützen, sei es bei der Planung von Wochenenden oder beim Finden von Wegen, um die Beziehung zu den Kindern zu stärken.
Indem du dich auf deine eigene Familie konzentrierst und diese positiven, praxisnahen Strategien umsetzt, kannst du verhindern, dass Vergleiche dein Herz beschweren. Deine Familie ist einzigartig, voller eigener Geschichten und Momente, die es zu feiern gilt. Lass dich nicht von fremden Bildern täuschen — das wahre Glück liegt in den Augenblicken, die nur ihr miteinander teilt.
Was tun, wenn es dennoch nicht klappt?
Manchmal reichen Strategien allein nicht aus — und das ist völlig okay. Wenn das Gefühl des Scheiterns überwältigend wird, darfst du dir professionelle Unterstützung holen. Ein Coaching oder eine Therapie kann dir helfen, tiefer liegende Muster zu erkennen und neue Wege zu finden.
Denk daran: Scheitern bedeutet nicht, dass du als Stiefmutter versagt hast. Es bedeutet, dass du es versucht hast. Und allein das zählt mehr, als die meisten zugeben würden. Es ist nie das Ende, sondern immer der Beginn eines neuen Kapitels, das du mit Mut und Selbstliebe schreiben kannst.
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