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Kinder & Bindung

Die Bedeutung der restlichen Familie in der Patchworkfamilie

Von Sally Matthes · 1. März 2024 · Aktualisiert: 7. März 2026
Großeltern und Enkel beim gemeinsamen Spielen in einer Patchworkfamilie

In einer Patchworkfamilie geht es nicht nur um dich, deinen Partner und die Kinder — auch Großeltern, Tanten und Freunde spielen eine wichtige Rolle. Die erweiterte Familie kann zur größten Stütze werden oder zur zusätzlichen Belastung. Hier erfährst du, wie du mit den verschiedenen Familienmitgliedern umgehst.

Wenn sich ein Paar mit Kindern zusammenfindet, gilt es nicht nur die eigenen Rollen als Stiefmutter zu hinterfragen, sondern auch die restliche Familie der Patchworkfamilie einzubeziehen. Großeltern, Tanten, Cousinen und andere Familienmitglieder spüren ebenfalls die Erweiterung der eigenen Familie. So sagen meine Bonuskinder, dass sie nun 8 Großeltern haben, anstatt der vorherigen 4. Sie haben mehr Personen in ihrem Leben dazugewonnen, als „nur” die Bonusmama. Laut dem Statistischen Bundesamt lebt jede siebte Familie in Deutschland als Patchworkfamilie — und mit jeder neuen Konstellation wächst auch die erweiterte Familie. Die Forschung von Bray und Kelly zeigt, dass Unterstützung durch die erweiterte Familie einer der stärksten Schutzfaktoren für das Gelingen einer Patchworkfamilie ist.

Sally Matthes, Coach für Bonusmamas: „Die restliche Familie wird oft unterschätzt. Dabei können Großeltern, Tanten oder enge Freunde den entscheidenden Unterschied machen — als Brücke, als Puffer, als Zeichen: Du gehörst hierher.”

Doch wie kann die Familienzusammenführung gelingen und wo liegt der Unterschied zwischen blutsverwandten Familienmitgliedern und die der Patchworkfamilie?


Gibt es einen Unterschied?

Lass mich dir ein Beispiel geben: Meine Eltern hatten bereits ein Enkelkind, welches sie abgöttisch lieben. Und plötzlich gab es da zwei weitere Kinder, die nicht dieselbe Sprache sprechen und schon etwas älter sind. Jedes Enkelkind ist für sie dennoch einzigartig und hat seine eigenen Bedürfnisse und Persönlichkeiten. Bei leiblichen Enkelkindern besteht oft eine biologische Verbindung, die von Natur aus eine gewisse Nähe und Verbundenheit schafft. Doch das bedeutet nicht, dass die Bindung zu den Enkelkindern aus einer Patchworkfamilie weniger stark sein muss. Im Gegenteil, sie kann sogar noch intensiver und wertvoller sein, da sie auf gegenseitigem Vertrauen und Liebe aufbaut.

Erweiterte Patchworkfamilie beim gemeinsamen Spaziergang


Wie die restliche Familie eine Rolle spielt

Weitere Verwandte wie Onkel, Tanten oder Cousins können eine positive Rolle spielen. Sie können den Kindern zusätzliche Unterstützung, Rat und Liebe bieten. Indem sie sich Zeit nehmen, um mit den Kindern zu sprechen und ihnen zuzuhören, schaffen sie eine Atmosphäre des Vertrauens und der Offenheit. Außerdem sind auch das wiederum verschiedene Lebensformen und Persönlichkeiten, die den Kindern als Vorbild dienen können.

Ein praktisches Beispiel dafür wäre, wenn die Stieftante regelmäßig Zeit mit den Kindern verbringt und ihnen bei den Hausaufgaben oder beim Üben eines Hobbys hilft. Oder der Stiefcousin, der den Kindern neue Spiele beibringt oder mit ihnen in den Park geht. Solche kleinen Gesten können den Kindern das Gefühl geben, dass sie geliebt und unterstützt werden.

In meiner eigenen Erfahrung als Bonusmama habe ich gelernt, wie wichtig es ist, dass alle Familienmitglieder zusammenarbeiten und ihr Bestes geben, um eine harmonische Beziehung zu schaffen. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, wie meine Nichte sich viel Mühe gegeben hat, meinen Bonuskindern viel zu übersetzen. Oder wie mein Bruder den Kindern geholfen hat, ihre sportlichen Talente zu entdecken, indem er mit ihnen geklettert ist.

Abschließend kann gesagt werden, dass alle weiteren Familienmitglieder in einer Patchworkfamilie eine positive Rolle spielen können. Indem sie den Kindern Liebe, Unterstützung und Verständnis entgegenbringen, helfen sie ihnen dabei, sich in ihrer neuen familiären Situation wohl und geborgen zu fühlen.

„Ein Kind kann einem Erwachsenen immer drei Dinge lehren: grundlos fröhlich zu sein, immer mit irgendetwas beschäftigt zu sein und nachdrücklich das zu fordern, was es will.” – Paulo Coelho


Herausforderungen und Lösungen

Dr. Patricia Papernow betont, dass die erweiterte Familie sowohl Ressource als auch Risikofaktor sein kann: Wenn Stiefmütter von der Familie des Partners abgelehnt werden, verstärkt das die ohnehin vorhandene Insider-Outsider-Dynamik erheblich.

Eine mögliche Herausforderung besteht darin, dass jedes Familienmitglied unterschiedliche Erwartungen und Bedürfnisse hat. Es kann schwierig sein, einen Konsens zu finden und einen gemeinsamen Weg zu gehen. Um diese Herausforderung zu bewältigen, ist es wichtig, dass alle Beteiligten offen miteinander kommunizieren und ihre Bedürfnisse und Wünsche artikulieren. Durch den Austausch und das Verständnis füreinander können Lösungen gefunden werden, die für alle akzeptabel sind. So war es mir wichtig meinen Eltern zu erklären, dass ich mir wünsche, dass meine Bonuskinder ebenfalls Enkelkinder für sie darstellen.

Ein weiteres Hindernis kann die Unsicherheit oder Abneigung einiger Familienmitglieder gegenüber der Patchworkfamilie sein. Manche Menschen haben Schwierigkeiten damit, sich auf neue Beziehungen einzulassen oder fühlen sich bedroht durch die Veränderungen, die eine Patchworkfamilie mit sich bringt. Mit Offenheit und Geduld können Vorurteile und Ängste abgebaut werden. Es kann hilfreich sein, gemeinsame Aktivitäten zu planen, bei denen alle Familienmitglieder die Möglichkeit haben, sich besser kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen.

Eine weitere Herausforderung kann darin bestehen, dass die Kinder möglicherweise Schwierigkeiten haben, sich in die restliche Familie zu integrieren. Sie können sich unsicher fühlen oder befürchten, dass sie nicht akzeptiert werden. Hier ist es wichtig, den Kindern die Zeit und den Raum zu geben, sich anzupassen und Vertrauen aufzubauen. Es kann hilfreich sein, ihnen Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu übertragen, um sie in die Familie einzubeziehen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie einen wichtigen Beitrag leisten.

Wenn du dich fragst, wie du mit Loyalitätskonflikten deiner Bonuskinder umgehen kannst, findest du dort hilfreiche Ansätze.

Kinder und Großeltern backen gemeinsam in der Küche


Gemeinsame Aktivitäten

1. Gemeinsames Kochen: Eine tolle Möglichkeit, um Zeit miteinander zu verbringen und sich näher kennenzulernen, ist das gemeinsame Kochen. Jedes Familienmitglied kann ein Lieblingsrezept mitbringen und zusammen könnt ihr ein köstliches Mahl zubereiten. Während des Kochens könnt ihr euch austauschen, über eure Vorlieben und Geschmäcker sprechen und dabei eine Verbindung aufbauen. Meine Bonustöchter lieben es beispielsweise das Dessert für unsere Familientreffen vorzubereiten.

2. Familienausflüge: Plant regelmäßig Familienausflüge, bei denen ihr gemeinsam etwas unternehmt und neue Erfahrungen sammelt. Das kann ein Besuch im Museum, ein Tag am See oder ein Ausflug in einen Freizeitpark sein. Während dieser Ausflüge könnt ihr als Familie zusammenwachsen, Erinnerungen schaffen und Spaß haben. Wir waren zum Beispiel schon mehrere Tage gemeinsam in Paris – eine Zeit, die wir alle nie vergessen werden.

3. Spiel- und Filmabende: Organisiert regelmäßige Spiel- und Filmabende, bei denen ihr gemeinsam spielt, lacht und euch entspannt. Jedes Familienmitglied kann abwechselnd einen Film auswählen oder ein Spiel vorschlagen. Diese gemütlichen Abende bieten die Möglichkeit, sich besser kennenzulernen und gemeinsam als Familie Zeit zu verbringen.

4. Sportliche Aktivitäten: Geht zusammen sportlichen Aktivitäten nach, wie zum Beispiel Fahrradfahren, Wandern oder Schwimmen. Durch Bewegung und gemeinsame Herausforderungen könnt ihr als Familie zusammenwachsen und eine starke Bindung aufbauen. Wir waren beispielsweise schon gemeinsam im Kletterpark – eine tolle Möglichkeit, sich gegenseitig zu helfen und zu motivieren!

5. Familienfeste: Auch die Teilnahme an Familienfesten oder Traditionen ist wichtig, um sich zugehörig zu fühlen. Familienfotos und gemeinsam zelebrierte Höhepunkte wie Sommerfeste oder Geburtstage symbolisieren: „Wir gehören zusammen!” Auch eine gemeinsame Familienkultur kann dabei helfen, den Zusammenhalt zu stärken.

Indem ihr solche Aktivitäten plant und umsetzt, könnt ihr als restliche Familie enger zusammenwachsen und euch besser kennenlernen. So könnt ihr gemeinsam schöne Erinnerungen schaffen und eine harmonische Beziehung aufbauen.

„Jeder neue Anfang kommt aus eines anderen Anfangs Ende. Und der Weg dorthin ist das, was uns zusammenwachsen lässt.” – Anke Maggauer-Kirsche


Zusammenfassung

Herausforderungen wie Vorurteile oder Ablehnung können uns dabei begegnen. Diese zu überwinden, lohnt sich jedoch enorm. Mit gemeinsamen Ausflügen, Spielen und bleibenden Erinnerungen kann es gelingen, die restlichen Familienmitglieder mit einzubeziehen.

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Häufige Fragen

Wie binde ich Großeltern in die Patchworkfamilie ein?

Gib Großeltern Zeit, sich an die neue Konstellation zu gewöhnen. Lade sie zu gemeinsamen Aktivitäten ein, ohne Erwartungen zu stellen. Erkläre offen, dass du dir wünschst, dass alle Kinder — ob leiblich oder Bonuskinder — als Familie behandelt werden.

Was tun, wenn die Familie meines Partners mich ablehnt?

Ablehnung durch die Schwieger-/Bonusfamilie ist schmerzhaft, aber nicht selten. Sprich offen mit deinem Partner darüber — er muss als Brücke fungieren. Hab Geduld, zeig dich authentisch und lass dich nicht verbiegen. Die meisten Beziehungen brauchen Zeit, um zu wachsen.

Wie erkläre ich meiner Familie die Patchworksituation?

Sei ehrlich und direkt: Erkläre, dass die Bonuskinder Teil eures Lebens sind und du dir wünschst, dass sie dazugehören. Manche Familienmitglieder brauchen länger als andere — gib ihnen diese Zeit, aber mach deine Erwartungen klar.