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Rolle & Identität

Ferien als Bonusmama überstehen: Kein Urlaub, sondern Härtetest

Von Sally Matthes · 10. März 2026
Erschöpfte Frau sitzt auf einer Terrasse mit geschlossenen Augen, während im Hintergrund Kinder im Garten spielen

Sommerferien. Sechs Wochen. Alle reden von Erholung, Eiskugeln und Familienglück — und du rechnest im Kopf schon durch, wann die Bonuskinder kommen, wann sie wieder gehen, und wie du das alles organisiert bekommst. Ferien in einer Patchworkfamilie sind für viele Bonusmamas kein Urlaub. Sie sind ein emotionaler Marathonlauf, für den sich niemand aufwärmt.


🎙 Passend dazu: Hör dir die Podcastfolge „Ferien als Bonusmama überstehen: Kein Urlaub, sondern Härtetest” an — auf Spotify oder überall, wo du Podcasts hörst.


Als systemischer Coach und selbst Bonusmama kenne ich dieses Gefühl: Du gibst alles, damit die Ferien für alle schön werden — und vergisst dabei, dass du selbst auch Erholung brauchst. Laut dem Statistischen Bundesamt (2023) leben rund 1,1 Millionen Patchworkfamilien in Deutschland. Und jede einzelne kennt das Spannungsfeld zwischen Umgangsregelungen, verschiedenen Haushalten und dem Wunsch nach einer entspannten gemeinsamen Zeit.

„Ferien in einer Patchworkfamilie sind kein Familienurlaub wie aus dem Katalog. Sie sind eine Einladung, ehrlich hinzuschauen — was brauchst du eigentlich?” — Sally Matthes, Coach für Bonusmamas


Frau packt gestresst einen Koffer, während Kinder durchs Zimmer rennen

Warum Ferien in der Patchworkfamilie dich so fordern

Ferien bedeuten: weniger Struktur, mehr Zusammensein, höhere Erwartungen. Für eine Bonusmama kommt noch etwas dazu — du bist plötzlich ganztags in einer Rolle, die im Alltag wenigstens zeitweise pausiert. Die Schule gibt Struktur, die Arbeit gibt dir Raum. In den Ferien fällt das alles weg.

Was passiert stattdessen:

  • Umgangswochenenden verschieben sich. Plötzlich sind die Bonuskinder zwei Wochen am Stück da — oder eben gar nicht, und dein Partner vermisst sie.
  • Verschiedene Haushalte, verschiedene Regeln. Die Kinder kommen aus dem anderen Haushalt mit anderen Routinen. Du versuchst, deinen Standard zu halten.
  • Dein eigenes Bedürfnis nach Erholung existiert — theoretisch. Praktisch bist du die, die plant, kocht, aufräumt und emotional auffängt.

Patricia Papernow beschreibt in ihrer Forschung, dass Stiefmütter in Übergangsphasen — und dazu gehören Ferien — besonders unter Druck stehen, weil die gewohnten Alltagsstrukturen wegfallen (Papernow, 2013). Und genau das macht Ferien nicht zur Pause, sondern zum Stresstest.


Die inneren Dynamiken, die dich ausbrennen

Es sind selten die großen Dramen, die dich in den Ferien fertigmachen. Es sind die kleinen Momente, die sich stapeln:

  1. Der Vergleich. Deine Freundinnen posten Strandfotos mit ihren Kernfamilien. Du organisierst den dritten Umzug in zwei Wochen, weil das Kind zwischen zwei Haushalten pendelt.
  2. Das schlechte Gewissen. Du willst die Ferien genießen, aber wenn die Bonuskinder da sind, fühlst du dich nie ganz frei. Und wenn sie weg sind, fühlst du dich schuldig, weil du erleichtert bist.
  3. Die unsichtbare Arbeit. Niemand sieht, wie viel du planst. Dein Partner sagt: „Entspann dich doch mal.” Und du denkst: Wer macht das alles, wenn ich mich entspanne?
  4. Die Rollenunklarheit. In den Ferien bist du keine Erzieherin, keine Mama, aber auch keine unbeteiligte Mitbewohnerin. Du bist irgendwo dazwischen — und dieses Dazwischen kostet Kraft.

„Es ist nicht die Ferienplanung, die dich erschöpft. Es ist das Gefühl, in deiner eigenen Familie keinen klaren Platz zu haben — gerade wenn alle zusammen sind.” — Sally Matthes


5 Strategien für einen anderen Sommer

Du kannst die Rahmenbedingungen deiner Patchworkfamilie nicht über Nacht ändern. Aber du kannst die Art ändern, wie du in die Ferien gehst.

1. Plane deine eigene Erholung zuerst

Nicht als Luxus, sondern als Grundvoraussetzung. Trag dir feste Zeiten ein — morgens eine Stunde für dich, ein Nachmittag pro Woche ohne Kinder. Dein Bedürfnis nach Pause ist keine Schwäche. Es ist der Grund, warum du überhaupt die Kraft hast, für andere da zu sein.

2. Sprich die Umgangszeiten vorher durch

Klingt banal, wird aber in vielen Patchworkfamilien erst kurz vorher geklärt. Setz dich mit deinem Partner hin — idealerweise Wochen vorher — und plant: Wann sind die Kinder da? Wann ist Paarzeit? Wann bist du allein? Je klarer der Plan, desto weniger Frust.

3. Lass den Perfektionsanspruch los

Du musst keine Instagram-tauglichen Ferienmomente inszenieren. Ein Tag am See mit Langeweile und Streit um die Luftmatratze ist ein normaler Familientag. Gute Ferien sind nicht perfekte Ferien — es sind ehrliche Ferien.

4. Sag deinem Partner, was du brauchst

Nicht in Andeutungen, nicht durch Türenknallen. Direkt. „Ich brauche morgen Nachmittag für mich. Kannst du die Kinder nehmen?” Dein Partner kann nicht erraten, was in dir vorgeht. Aber er kann reagieren, wenn du es aussprichst — das ist Kommunikation auf Augenhöhe, wie sie in jeder Partnerschaft nötig ist.

5. Erlaube dir gemischte Gefühle

Du darfst dich freuen, wenn die Bonuskinder kommen. Und du darfst erleichtert sein, wenn sie wieder gehen. Du darfst Urlaub genießen und gleichzeitig erschöpft sein. Gemischte Gefühle sind keine Schwäche — sie sind ein Zeichen dafür, dass du ehrlich mit dir bist.


Familie sitzt entspannt im Garten, Bonusmama liest ein Buch für sich allein unter einem Baum

Wenn du das Gefühl hast, nur noch durchzuhalten

Es gibt diesen Moment in den Ferien — meistens in Woche drei oder vier — wo alles kumuliert. Du hast keine Energie mehr. Du hast das Gefühl, nur noch zu funktionieren. Und du fragst dich: Warum bin ich die Einzige, die das so empfindet?

Du bist nicht die Einzige. Studien zur Rollenbelastung in Stieffamilien zeigen, dass Stiefmütter signifikant höhere Stresswerte in Ferienzeiten haben als leibliche Mütter in Erstfamilien (Bray & Kelly, 1998). Das liegt nicht daran, dass du etwas falsch machst. Es liegt daran, dass deine Situation objektiv komplexer ist.

Wenn du merkst, dass du über Wochen nur noch durchhältst, ist das kein Zeichen von Versagen — es ist ein Signal, dass du Unterstützung verdienst. Ob das ein ehrliches Gespräch mit deinem Partner ist, eine Freundin die wirklich zuhört, oder professionelle Begleitung wie Coaching.


Du darfst auch Urlaub von der Erschöpfung machen

Ferien als Bonusmama werden nie aussehen wie der Familienurlaub in der Werbung. Aber sie können aussehen wie dein Urlaub. Einer, in dem du nicht nur organisierst, sondern auch ankommst. Einer, in dem du nicht nur gibst, sondern auch empfängst. Einer, in dem du sagst: „Ich bin auch wichtig.”

Das ist kein Egoismus. Das ist die Grundlage dafür, dass du diese Patchworkfamilie nicht nur überlebst — sondern wirklich lebst.


Zusammenfassung

Ferien in der Patchworkfamilie sind für Bonusmamas oft kein Urlaub, sondern ein Härtetest aus Umgangszeiten, Rollenunklarheiten und unsichtbarer Arbeit. Der Schlüssel liegt nicht darin, perfekte Ferien zu organisieren, sondern ehrlich hinzuschauen: Was brauchst du? Plane deine eigene Erholung, sprich klar aus was du brauchst, und erlaube dir gemischte Gefühle. Du darfst auch Urlaub von der Erschöpfung machen.


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Häufige Fragen

Wie schaffe ich es, in den Ferien auch mal abzuschalten?

Plane feste Zeiten nur für dich ein — morgens eine Stunde, ein Nachmittag pro Woche. Sag deinem Partner konkret, wann du Pause brauchst. Abschalten funktioniert nicht nebenbei, es braucht einen bewussten Rahmen.

Ist es normal, dass ich erleichtert bin, wenn die Bonuskinder wieder gehen?

Ja, absolut. Erleichterung bedeutet nicht, dass du die Kinder nicht magst. Es bedeutet, dass du Raum brauchst — und das ist menschlich. Gemischte Gefühle gehören zur Bonusmama-Rolle dazu.

Was mache ich, wenn mein Partner nicht versteht, warum Ferien für mich so anstrengend sind?

Erkläre ihm konkret, was dich belastet — nicht in Vorwürfen, sondern in Ich-Botschaften. „Ich fühle mich erschöpft, weil ich das Gefühl habe, alles allein zu planen." Oft fehlt Partnern einfach der Einblick in die unsichtbare Arbeit.