Finanzielle Beteiligung als Bonusmama
Die Frage, wie viel du als Bonusmama finanziell zur Patchworkfamilie beiträgst, ist eines der heikelsten Themen — und führt in vielen Beziehungen zu Konflikten. Unterhalt, gemeinsame Kosten, unterschiedliche Einkommen: Hier erfährst du, wie ihr als Paar eine faire Lösung findet.
Als Bonusmama ist man oft mit der Frage konfrontiert, wie man mit den Finanzen in der Patchworkfamilie umgehen soll. Soll man sich zur Hälfte an allen Kosten beteiligen? Wie geht man damit um, wenn das Gefühl des Verzichtens zugunsten der Bonuskinder überhandnimmt? Und wie kann man über dieses heikle Thema mit dem Partner sprechen?
Laut dem Statistischen Bundesamt lebt jede siebte Familie in Deutschland als Patchworkfamilie — doch zum Thema Finanzen in Patchworkfamilien gibt es kaum öffentliche Orientierung. Die Forschung von Bray und Kelly zeigt, dass Geldkonflikte zu den drei häufigsten Trennungsgründen in Zweitfamilien gehören.
Sally Matthes, Coach für Bonusmamas: „Geld ist in meinen Coachings oft das Thema hinter dem Thema. Es geht selten nur um Euro und Cent — es geht um Fairness, Wertschätzung und die Frage: Wo steht mein Beitrag in dieser Familie?”
All dies betrachten wir heute einmal genauer und ich teile mit dir meine Erfahrungen.
🎙 Passend dazu: Hör dir die Podcastfolge „So unterschiedlich sind Unterhaltszahlungen in Patchworkfamilien“ an — auf Spotify oder überall, wo du Podcasts hörst.
Finanzielle Beteiligung als Bonusmama
Eine hälftige Beteiligung an allen Ausgaben mag auf den ersten Blick fair erscheinen, besonders wenn beide Partner ähnlich viel verdienen und die Kinder viel Zeit in eurem gemeinsamen Haushalt verbringen. Doch es gibt viele Faktoren, die bei dieser Entscheidung eine Rolle spielen.
Da sind zum einen die Einkommensverhältnisse. Verdient dein Partner deutlich mehr als du, kann eine hälftige Aufteilung eine große Belastung für dich darstellen. Auch die Anzahl der Bonuskinder und die Häufigkeit ihrer Besuche sind relevant. Verbringen sie nur jedes zweite Wochenende bei euch, ist das eine ganz andere Situation, als wenn sie die Hälfte der Zeit in eurem Haushalt leben.
Ein weiterer Aspekt, der oft vergessen wird, sind Unterhaltszahlungen und Kindergeld. In der Regel erhält der hauptbetreuende Elternteil diese finanziellen Zuwendungen, die einen Teil der Kosten für die Kinder abdecken. Als Bonusmama hast du darauf keinen Anspruch, auch wenn du dich an den Ausgaben beteiligst.
Es ist ein emotionales Thema. Für manche Bonusmamas ist es ein Weg, ihre Liebe und ihr Engagement für die Bonuskinder zu zeigen. Andere fühlen sich ausgenutzt, wenn von ihnen erwartet wird, gleichermaßen für Kinder aufzukommen, die nicht ihre eigenen sind. Es kann Frust und Unverständnis wecken, wenn das Gefühl entsteht, dass die eigenen Bedürfnisse immer hinten anstehen müssen.
Du siehst: Es gibt keine allgemeingültige Regel für die finanzielle Beteiligung von Bonusmamas.

Was, wenn du das Gefühl hast verzichten zu müssen?
Diese Gefühle sind absolut verständlich und menschlich. Du bist nicht egoistisch oder herzlos, wenn du manchmal hadert. Es ist eine große Herausforderung, plötzlich nicht mehr nur für die eigenen Bedürfnisse, sondern auch für die von Kindern verantwortlich zu sein, die nicht deine eigenen sind.
Wichtig ist, dass du diese Gefühle ernst nimmst und nicht versuchst, sie zu unterdrücken. Sprich mit deinem Partner darüber, wie es dir geht. Oft hilft es schon, sich einfach mal alles von der Seele zu reden und sich verstanden zu fühlen.
Wir haben bei uns in der Familie die Regelung getroffen, dass der Papa etwas mehr auf unser gemeinsames Konto überweist, wenn die Kinder da sind. So können wir Lebensmittel, Geschenke und Ausflüge gemeinsam bezahlen und müssen nicht alles kleinteilig aufrechnen. Das war für mich schon immer ein No-Go: ich wollte nie vor den Kindern darüber diskutieren und ihnen das Gefühl geben nicht für sie zahlen zu wollen. Gleichzeitig möchte ich große Investitionen in Zahnspangen etc. nicht mittragen müssen. Ich tue es öfter, dann aber weil ich es möchte und nicht weil es erwartet wird.
„Hüte dich vor kleinen Ausgaben. Ein kleines Leck kann ein großes Schiff zum Sinken bringen.” – Benjamin Franklin
Mit dem Partner über Geld sprechen
Scheue dich nicht davor, das Thema anzusprechen. Je früher ihr euch austauscht, desto besser. Setz dich mit deinem Partner zusammen und sprecht offen über eure finanzielle Situation:
- Wie viel Geld steht zur Verfügung?
- Welche festen Kosten gibt es?
- Welche Ausgaben kommen speziell für die Kinder dazu?
Sei ehrlich zu dir selbst und deinem Partner, wenn es um deine eigenen Bedürfnisse und Wünsche geht. Nur wenn du klar kommunizierst, was dir wichtig ist, kann dein Partner dich auch verstehen und unterstützen. Gleichzeitig ist es wichtig, auch offen für die Perspektive des anderen zu sein.
Gemeinsam könnt ihr Strategien entwickeln, wie ihr die finanzielle Situation meistert:
- Legt ein Budget fest, das die Bedürfnisse aller Familienmitglieder berücksichtigt.
- Richtet ein gemeinsames Konto ein, auf das jeder einen bestimmten Betrag einzahlt.
- Findet Lösungen, mit denen ihr beide leben könnt und die sich fair anfühlen.
Beim Thema Finanzen sind regelmäßige Finanzmeetings eine gute Idee. Hier könnt ihr immer wieder ausloten:
- Passen die getroffenen Vereinbarungen noch oder müssen sie angepasst werden?
- Gibt es aktuelle finanzielle Herausforderungen?
- Stehen größere Ausgaben an, die besprochen werden müssen?
Gerade in Patchworkfamilien ist es wichtig, im Gespräch zu bleiben – auch wenn es mal schwierig wird. Mit Verständnis, Geduld und Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten lässt sich ein Weg finden. Denk immer daran: ihr sitzt im selben Boot und wollt beide das Beste für eure Familie.

Wahre deine finanzielle Unabhängigkeit
Als Bonusmama ist es leicht, sich selbst zu vergessen. Die Bedürfnisse der Kinder und des Partners stehen oft an erster Stelle. Doch gerade beim Thema Finanzen ist es wichtig, dass du auch an dich selbst denkst. Daher hier eine in meinen Augen sehr wichtige Faustregel: Bewahre dir ein Stück finanzielle Unabhängigkeit.
Auch wenn ihr als Paar oder Familie gemeinsam wirtschaftet, solltest du nicht dein gesamtes eigenes Einkommen in den Familientopf geben. Behalte einen Teil für dich selbst, über den du frei verfügen kannst.
Ein eigenes Konto ist dafür eine gute Basis. So kannst du, unabhängig von der Familienkasse:
- Für deine persönlichen Bedürfnisse und Wünsche sorgen
- Dir kleine Extras gönnen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben
- Eine finanzielle Rücklage für Notfälle aufbauen
Es geht nicht darum, Geheimnisse vor deinem Partner zu haben. Transparenz und Ehrlichkeit sind wichtig. Aber es geht darum, dass du die Kontrolle über einen Teil deines Geldes behältst. Das gibt dir ein Gefühl von Sicherheit und Unabhängigkeit, gerade in einer Lebenssituation, in der sich vieles um die Bedürfnisse anderer dreht.
Auch für die Beziehung kann es entlastend sein, wenn nicht jeder Cent gemeinsam verwaltet werden muss. Kleine persönliche Ausgaben müssen nicht ständig diskutiert und gerechtfertigt werden. Das schafft Freiraum und vermeidet Konfliktpotenzial.
Deine finanzielle Unabhängigkeit hat nichts mit mangelndem Vertrauen oder fehlendem Engagement für die Familie zu tun. Im Gegenteil: nur wenn du dich selbst nicht aus dem Blick verlierst, kannst du auf Dauer eine starke und liebevolle Bonusmama sein. Denn nur eine Bonusmama, der es selbst gut geht, kann auch ihre Familie glücklich machen.
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