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Rolle & Identität

Was uns Bonuskinder über uns selbst lehren

Von Sally Matthes · 17. Mai 2024 · Aktualisiert: 7. März 2026
Frau sitzt nachdenklich auf einer Bank und reflektiert über innere Verletzungen aus der Kindheit

Bonuskinder können in dir Gefühle auslösen, die wenig mit dem Kind und viel mit deiner eigenen Kindheit zu tun haben. Wenn du als Bonusmama unverhältnismäßig stark reagierst, ist das oft ein Zeichen, dass dein inneres Kind getriggert wird. Hier erfährst du, was das bedeutet und wie Heilung beginnt.

Neulich wollten wir mit meinen Bonuskindern spazieren gehen. Und da kam dieses vorpubertäre Verhalten der großen durch: Sie stapfte wütend vornweg, hatte überhaupt keine Lust und eigentlich war sie dafür viel zu cool. Und ich habe in dem Moment nicht sie gesehen, sondern mich als 14-jährige. Ich spürte unglaublich viel Wut und Scham. Mich hatte damals niemals begleitet und so kämpfte ich mich allein durch diesen Gefühlsdschungel. Dies ist einer der Momente gewesen, in denen ich meine innere Verletzung heilen konnte. Doch lass uns mal von vorn beginnen. Was meine ich, wenn ich von inneren Verletzungen spreche?


🎙 Passend dazu: Hör dir die Podcastfolge „Wie das innere Kind deine Rolle als Bonusmama prägt“ an — auf Spotify oder überall, wo du Podcasts hörst.


Wenn Bonuskinder unser inneres Kind wecken

Die Patchwork-Forscherin Dr. Patricia Papernow beschreibt, dass die Insider-Outsider-Dynamik in Patchworkfamilien besonders häufig alte Bindungswunden aktiviert. Laut dem Statistischen Bundesamt lebt jede siebte Familie in Deutschland als Patchworkfamilie — und in jeder einzelnen werden Stiefmütter mit Gefühlen konfrontiert, die weit über die aktuelle Situation hinausgehen.

Sally Matthes, Coach für Bonusmamas: „Dein Bonuskind ist nicht dein Therapeut — aber es ist ein unglaublich guter Spiegel. Wenn dich etwas unverhältnismäßig trifft, schau hin. Da liegt meistens Gold vergraben.”

In solchen Momenten werden oft unbewusst alte Wunden berührt – innere Verletzungen, die ihren Ursprung in unserer eigenen Kindheit haben.

Innere Verletzungen entstehen durch schmerzhafte Erfahrungen, die wir als Kind gemacht haben, wie zum Beispiel Zurückweisung, Kritik oder emotionale Vernachlässigung. Diese Erlebnisse prägen uns und hinterlassen Spuren in unserer Seele. Als Erwachsene können Situationen mit unseren Bonuskindern diese alten Wunden triggern und intensive Emotionen hervorrufen.

Vielleicht erinnert uns der trotzige Blick des Bonuskindes an die Ablehnung durch einen Elternteil oder die Verweigerung von Zuneigung weckt schmerzhafte Erinnerungen an emotionale Vernachlässigung. In diesen Triggerpunkten liegt jedoch auch eine große Chance zur Heilung und zum persönlichen Wachstum. Doch was ist der erste Schritt, dies anzunehmen?

Frau hält sich nachdenklich die Hand ans Herz und spürt ihren Gefühlen nach

Unsere Gefühle annehmen: Der Schlüssel zur inneren Balance

  • Welche Situation in meiner Kindheit könnte diese Emotion ausgelöst haben?
  • Was brauche ich gerade, um mich sicher und geliebt zu fühlen?
  • Wie kann ich mein inneres Kind in diesem Moment trösten und unterstützen?

Indem du deine Gefühle achtsam beobachtest und akzeptierst, schaffst du einen sicheren Raum für deine innere Heilung. Du gibst deinem verletzten inneren Kind die Erlaubnis, gesehen und gehört zu werden – vielleicht zum ersten Mal. Dieser Prozess der Selbstannahme ist nicht immer einfach, aber er ist unglaublich wichtig für dein seelisches Gleichgewicht. Erinnere dich daran, dass jede Emotion ihre Berechtigung hat und dass du stark genug bist, sie zu fühlen und zu transformieren. Mit jedem Mal, wenn du deine Triggerpunkte bewusst wahrnimmst und deine Gefühle annimmst, kommst du deiner inneren Balance ein Stückchen näher.

„Die Heilung beginnt, wenn du dir selbst erlaubst zu sein, wer du wirklich bist.” – Carl Rogers

Den Weg zu innerem Frieden finden

  • In welchen Situationen reagiere ich besonders emotional auf mein Bonuskind?
  • Welche Glaubenssätze oder Überzeugungen stecken hinter meinen Reaktionen?
  • Wie könnte ich in Zukunft gelassener und liebevoller mit ähnlichen Herausforderungen umgehen?

Selbstfürsorge spielt eine ebenso wichtige Rolle auf dem Weg zur inneren Heilung. Gönne dir regelmäßige Auszeiten, in denen du ganz bei dir sein kannst. Pflege Aktivitäten, die dir Freude bereiten und dich entspannen – sei es ein entspannendes Bad, ein Spaziergang in der Natur oder eine Meditation. Wenn du Wut oder Frustration in dir aufsteigen spürst, probiere Techniken zur Selbstberuhigung aus, wie zum Beispiel tiefe Bauchatmung oder progressive Muskelentspannung.

Erinnere dich daran, dass Heilung ein fortlaufender Prozess ist und Geduld erfordert. Sei sanft und nachsichtig mit dir selbst, auch wenn du manchmal in alte Muster zurückfällst. Jeder Moment der Achtsamkeit und Selbstreflexion trägt zu deinem Wachstum bei und bringt dich näher zu deinem wahren, friedvollen Selbst. Vertraue darauf, dass du mit jedem Tag mehr innere Klarheit und Stärke gewinnst.

Sonnenlicht fällt durch Bäume auf einen ruhigen Waldweg als Symbol für inneren Frieden

Wachstum durch Herausforderungen

Auch wenn es manchmal schmerzhaft sein kann, von den eigenen Bonuskindern getriggert zu werden, liegt darin auch eine immense Chance für persönliches Wachstum und Transformation. Unsere Bonuskinder sind wie weise Lehrer, die uns immer wieder an unsere Grenzen bringen und uns dadurch helfen, über uns hinauszuwachsen. Jede Herausforderung birgt die Möglichkeit, Geduld, Empathie und bedingungslose Liebe zu entwickeln – Qualitäten, die nicht nur unseren Bonuskindern zugutekommen, sondern auch uns selbst bereichern.

Wenn wir lernen, mit Achtsamkeit und Mitgefühl auf unsere Triggerpunkte zu reagieren, anstatt impulsiv zu handeln, stärken wir unsere emotionale Intelligenz und Resilienz. Wir lernen, in Konfliktsituationen ruhig und gelassen zu bleiben, klar zu kommunizieren und Verständnis für die Perspektive unseres Bonuskindes zu entwickeln. Diese Fähigkeiten sind nicht nur in der Patchworkfamilie von unschätzbarem Wert, sondern in allen Bereichen unseres Lebens.

Die Auseinandersetzung mit unseren Triggerpunkten eröffnet uns zudem die Möglichkeit, alte Wunden zu heilen und dysfunktionale Beziehungsmuster aufzulösen. Indem wir uns unseren eigenen Verletzungen stellen und sie mit Liebe und Verständnis transformieren, können wir neue, gesündere Arten des Miteinanders etablieren – sowohl mit unseren Bonuskindern als auch mit unserem Partner und anderen Menschen in unserem Leben.

Betrachte die Herausforderungen mit deinen Bonuskindern als eine Einladung zu innerem Wachstum und Entfaltung. Vertraue darauf, dass jede schwierige Situation dich letztendlich stärker, weiser und liebevoller macht. Erlaube dir, an den Triggerpunkten zu wachsen und zu reifen – und wisse, dass du durch diesen Prozess nicht nur dir selbst, sondern auch deinen Bonuskindern ein wertvolles Geschenk machst.

Zusammenfassung

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