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Rolle & Identität

Stiefväter vs. Stiefmütter: Wer hat es leichter?

Von Sally Matthes · 5. April 2024 · Aktualisiert: 10. März 2026
Stiefvater und Stiefmutter sitzen nachdenklich am Küchentisch einer Patchworkfamilie

Stiefmütter haben es in Patchworkfamilien nachweislich schwerer als Stiefväter — und das liegt nicht an mangelndem Einsatz, sondern an gesellschaftlichen Erwartungen. Von Frauen wird erwartet, dass sie automatisch die Mutterrolle übernehmen. In Deutschland leben rund 1,1 Millionen Patchworkfamilien (Statistisches Bundesamt, 2024) — in 47 % davon leben Stiefväter, aber nur in 27 % Stiefmütter. Und trotzdem sind es die Stiefmütter, die unter mehr Druck stehen. Hier erfährst du, warum das so ist und was das für dich bedeutet.

Als Coach für Bonusmamas in Patchworkfamilien werde ich immer wieder gefragt, weshalb ich mein Angebot nicht auch für Stiefväter ausweite. Wenn wir in die Literatur schauen, gibt es jetzt schon mehr Ratgeber für Bonusmamas als für Bonuspapas. Und den Ausdruck des „bösen Stiefvaters” gibt es erst recht nicht. Genauso wenig wie die Aussage etwas „stiefväterlich” zu behandeln. Stiefmütterlich ist jedoch eine weit verbreite Beschreibung, wenn es darum geht, etwas zu vernachlässigen. Komisch und das, obwohl in 47 % der Patchworkfamilien Stiefväter leben, aber nur 27 % Stiefmütter. (das liegt einfach daran, dass in den meisten Familien das Kind weiterhin bei der Mutter lebt.) Zurück zur Frage, weshalb meine Angebote für Bonusmamas sind. Nun, zum einen bin ich selbst eine Frau und glaube mich besser mit Frauen verbinden zu können. Und zum anderen glaube ich, dass es Stiefväter generell etwas leichter haben.

Unterschiedliche Rollenerwartungen an Stiefmütter und Stiefväter in Patchworkfamilien


Unterschiedliche Rollenbilder

Von Stiefmüttern wird häufig erwartet, dass sie die Kinder annehmen und sich um sie kümmern. Stiefväter genießen hingegen oft mehr Freiheiten. Traditionelle Geschlechterrollen spielen hierbei eine große Rolle: Frauen wird in unserer Gesellschaft nach wie vor die Hauptverantwortung für die Erziehung und den Haushalt zugeschrieben, während Männer mehr Spielraum haben, ihre Vaterrolle individuell zu gestalten. Diese unterschiedlichen Erwartungen können Stiefmütter unter Druck setzen und Frustrationen hervorrufen. Sie sollen eine liebevolle Beziehung zu den Stiefkindern aufbauen, den Haushalt managen und die Erziehung übernehmen. Eine Aufgabe, die oft unterschätzt wird und wenig Anerkennung erfährt.

Auch in meiner Patchworkfamilie habe ich das so erlebt: Wenn die Kinder Zeit mit dem Papa verbrachten, war es überhaupt nicht schlimm, wenn es nur Pommes und TV gab. War ich dabei, wurde gesundes Essen und pädagogische Aktivitäten erwartet. Zumindest in meiner Vorstellung und laut meinen Erfahrungen.


StiefPapas als Spielgefährten, Stiefmamas als Erzieher_innen?

Stiefväter sieht man oft als Spielgefährten und Kumpel ihrer Stiefkinder. Sie treiben Sport mit ihnen, unternehmen Ausflüge und erleben spannende Abenteuer. Sie können sich darauf konzentrieren, eine freundschaftliche Beziehung zu den Kindern aufzubauen. Die Verantwortung für Erziehung und Disziplin müssen sie nicht sofort übernehmen. Stiefmütter hingegen drängt man häufiger in die Rolle der Erzieherin. Sie kümmern sich um Schularbeiten, strukturieren den Tagesablauf und sorgen für ein harmonisches Familienleben.

Diese Rollenzuschreibungen können dazu führen, dass Stiefmütter weniger Freiräume haben, ihre eigene Beziehung zu den Stiefkindern zu gestalten und sich stärker an den Bedürfnissen der Familie orientieren müssen. Gleichzeitig wird ihre Arbeit oft als selbstverständlich betrachtet und selten wertgeschätzt, was zu Frustrationen und Konflikten führen kann. Auch Susanne Kunze (2015) bestätigte in ihrer Studie, dass es in Familien mit einer Stiefmutter zu vermehrt Konflikten kommt – im Gegensatz zu Familien mit einem Stiefvater.

„Stiefmütter leisten oft die gleiche emotionale Arbeit wie leibliche Mütter — mit einem Bruchteil der Anerkennung. Das ist kein Luxusproblem, das ist eine systemische Ungerechtigkeit.” — Sally Matthes, Coach für Bonusmamas

Stiefvater und Stiefmutter im Familienalltag mit unterschiedlichen Erwartungen


Mit Vorurteilen haben beide zu kämpfen

Stiefmütter und Stiefväter kämpfen gleichermaßen mit Vorurteilen, auch wenn diese unterschiedlich ausgeprägt sind. Stiefmütter werden oft mit dem Klischee der „bösen Stiefmutter” konfrontiert. Sie sei nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht und behandle die Kinder schlecht. Stiefväter hingegen sieht man häufig als den „coolen Stiefpapa”. Er soll mit Geschenken und Aktivitäten die Zuneigung der Kinder gewinnen. Doch diese Klischees werden der Realität vieler Patchworkfamilien nicht gerecht. Viele Stiefmütter bemühen sich nach Kräften, eine liebevolle Beziehung zu ihren Stiefkindern aufzubauen und sie bestmöglich zu unterstützen, auch wenn dies nicht immer einfach ist. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Stiefväter, die sich intensiv um ihre Stiefkinder kümmern, Zeit mit ihnen verbringen und eine wichtige Bezugsperson für sie sind. Auch sie machen sich oft selbst Druck, alles richtigzumachen und den Erwartungen gerecht zu werden. Dabei geraten sie nicht selten in Konkurrenz zum leiblichen Vater, was zu Spannungen führen kann. Letztlich zeigt sich, dass sowohl Stiefmütter als auch Stiefväter mit Vorurteilen und überhöhten Erwartungen zu kämpfen haben, die ihrer individuellen Situation und ihren Bemühungen nicht immer gerecht werden.


Warum sich meine Angebote an Bonusmamas richten

Der Grund dafür liegt in den unterschiedlichen gesellschaftlichen Erwartungen und dem daraus resultierenden Druck, dem sich viele Stiefmütter ausgesetzt sehen. Wie bereits erwähnt, wird von Frauen oft erwartet, dass sie die Rolle der „perfekten Mutter” übernehmen und nahtlos in die Fußstapfen der leiblichen Mutter treten. Diese Erwartungshaltung führt dazu, dass sich viele Stiefmütter selbst enorm unter Druck setzen, alles richtig zu machen und von den Kindern geliebt zu werden.

Sie investieren viel Zeit und Energie in die Beziehung zu ihren Stiefkindern, oft unter Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse. Gleichzeitig erleben sie häufiger Ablehnung und Zurückweisung von den Kindern, was zu Frustration und Selbstzweifeln führen kann. Daher ist es mir ein besonderes Anliegen, Stiefmütter mit maßgeschneiderten Angeboten zu unterstützen und ihnen Wege aufzuzeigen, wie sie trotz der hohen Erwartungen und des Drucks eine erfüllende Rolle in ihrer Patchworkfamilie finden können.

Mehr über die Rolle als Stiefmutter und die Herausforderungen im Patchwork-Alltag findest du in den Überblicksartikeln.


Zusammenfassung

Stiefväter und Stiefmütter stehen in Patchworkfamilien vor unterschiedlichen Herausforderungen. Während Stiefväter oft als Spielgefährten wahrgenommen werden und mehr Freiheiten genießen, lastet auf Stiefmüttern ein deutlich höherer Erwartungsdruck. Traditionelle Rollenbilder und das Klischee der „bösen Stiefmutter” verstärken diesen Druck zusätzlich. Beide kämpfen mit Vorurteilen, doch Studien zeigen, dass es in Stiefmutterfamilien häufiger zu Konflikten kommt. Genau deshalb richten sich meine Angebote gezielt an Bonusmamas, die Unterstützung auf ihrem Weg verdienen.

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